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Gründung des Monats: RAZO Energy

VERÖFFENTLICHT AM
13.03.2026
Autor
Emma Schmitt
Kategorie
Gründung des Monats
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Wir bei RAZO Energy stehen für einen durch und durch pragmatischen Ansatz, um die Energiewende aktiv voranzubringen. Wir sind der festen Überzeugung: Wir brauchen echte Lösungen und müssen einfach anfangen, diese umzusetzen, anstatt nur in der Theorie im stillen Kämmerlein alle Eventualitäten auszuloten.

 

Intern schätzen wir unseren inneren „Mad Scientist“ – unsere besten und innovativsten Produkte entstehen durch sogenannte Deep Focus Work. Gleichzeitig legen wir enormen Wert auf Offenheit und Ehrlichkeit in unserer Kommunikation. Um die hochkomplexen neuen Anforderungen der Energieindustrie erfolgreich in funktionierende Technik zu übersetzen, braucht es bei uns vor allem eines: eine riesige Lernbereitschaft.

 

Da ganze Gespräch mit Moderatorin Daniela findest du auf Spotify und Apple Podcasts.

Gruppenfoto am Stand des Startups RAZO Energy auf der Hannover Messe, unterstützt durch die KIT Gründerschmiede.

Wo und wie kam euch die zündende Idee zur Gründung?

 

Der eigentliche Funke sprang auf einer Reise am Praia de Razo in Nordspanien (Galizien) über – daher auch unser Name. Wir haben uns gefragt: Warum nutzen wir nicht die unzähligen, kleinteiligen Batterien von E-Autos technologisch, um die Energiewende voranzutreiben? Autos stehen im Schnitt 23 von 24 Stunden ungenutzt herum und die täglichen Fahrstrecken liegen meist unter 100 Kilometern. Das bedeutet, dass der Batteriespeicher eines E-Autos größtenteils völlig ungenutzt bleibt. Bei aktuell rund 50 Millionen Autos allein in Deutschland und 250 Millionen in Europa (welche zukünftig irgendwann mal alle elektrisch betrieben werden) schlummert hier ein riesiges, ungenutztes Potenzial, um erneuerbare Energien zwischenzuspeichern, das Stromnetz zu stabilisieren und immense Netzausbaukosten zu reduzieren. In der Praxis und in Gesprächen mit Endkunden haben wir dann allerdings schnell gemerkt, dass es noch viele grundlegende Hürden bei der lokalen Optimierung gibt. Unsere Erkenntnis: Bevor man Secondary Use Cases für Assets wie E-Autos (z. B. Netzdienlichkeit) angehen kann, muss erst einmal der Primary Use Case reibungslos funktionieren. Das bedeutet konkret: Das E-Auto wird intelligent mit PV-Überschuss geladen, dynamische Stromtarife und Heimspeicher werden mit einbezogen – und das alles vollkommen automatisiert, ohne dass der Nutzer täglich eingreifen muss.

 

Wie hat sich das Gründungsteam zusammengefunden?

 

Willy und Max hatten die ursprüngliche Idee und haben gemeinsam ein wichtiges Fundament für RAZO Energy gelegt. Als klar wurde, dass wir mehr Tech-Verstärkung brauchen, kamen wir mit Kai ins Gespräch. Er hatte direkt große Lust auf das Projekt – und das, während er gerade auf einer Reise durch Südostasien war.

 

Die volle Umsetzung der Idee startete dann dank einer EXIST-Gründerförderung, bei der uns Prof. Hagenmeyer als Mentor tatkräftig unterstützte. Nach Ablauf der EXIST-Laufzeit stand die Gründung der GmbH an. 

 

Was ist eure große Vision?

 

Unser „Warum“ ist klar formuliert: Make good tech for a cleaner earth. Wir wollen echte, drängende Probleme auf der Welt mit intelligenter Software lösen.

 

Das „Wie“ sieht so aus: Wir machen die Flexibilität von Endgeräten wie E-Autos, Wärmepumpen und Batteriespeichern nutzbar, um erneuerbare Energien besser und effizienter einsetzen zu können. Es geht darum, unseren flexiblen Stromverbrauch an die oftmals unflexible Erzeugung (Sonne, Wind) anzupassen. Unsere Vision ist es, die immensen Netzausbaukosten, die für den Wechsel vom fossilen Zeitalter in eine grüne Energiewelt nötig sind, drastisch zu reduzieren – und zwar durch die intelligente Mehrzwecknutzung bereits bestehender Geräte.

Wo seht ihr nennenswerte Herausforderungen im Gründungsprozess?

 

Die größten Hürden waren für uns definitiv bürokratischer Natur. Deutschland ist in dieser Hinsicht leider nicht besonders Startup-freundlich. Wir wollten eigentlich nichts total Verrücktes machen, sondern nur dem Prinzip „klein anfangen und dann größer werden“ folgen. Das hieß konkret: Wir brauchten eine Firmenstruktur, mit der wir gesund wachsen können.

 

Wir wollten unsere vorige GbR steuerlich korrekt in eine GmbH umwandeln und die Anteile nicht privat, sondern über eine Holding halten. Dabei haben wir gemerkt, dass diese Rechtsformen überhaupt nicht gut ineinandergreifen. Man kann nicht einfach mit einem neuen Unternehmen anfangen, da das Finanzamt das sofort als verdeckte Einlage wertet, wenn man zuvor schon etwas erwirtschaftet hat. Als Gründer möchte man eigentlich am innovativen Produkt arbeiten und nicht die ganze Zeit mit einem gigantischen Bürokratie-Overhead herumhantieren.

 

Wo habt ihr euch Unterstützung geholt?

 

Wir haben zuerst stark auf das regionale Netzwerk gesetzt, insbesondere auf die KIT-Gründerschmiede und das CyberForum. Sehr wertvoll waren für uns außerdem Uni-Kontakte in Karlsruhe und die Teilnahme an einem Accelerator (Climate Founders). Besonders wichtig war uns der Austausch mit Mentoren – also Menschen, die selbst schon ein Startup von Grund auf aufgebaut haben. Wir versuchen dabei ganz bewusst, nicht nur von ihren Erfolgen zu lernen, sondern vor allem von den Herausforderungen und Fehlern, die andere vor uns bereits gemeistert haben.

Präsentation am Stand von RAZO Energy auf der Hannover Messe, erfolgreiches KIT Startup zeigt seine Technologie.

Was waren in eurer Gründungsphase besonders große Herausforderungen?

 

Eine große Challenge war es, einen kompatiblen Arbeits- und Kommunikationsmodus zu finden, vor allem, weil wir viel remote arbeiten. Man muss lernen, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, auch wenn man sie anfangs noch gar nicht beherrscht.

 

Eine unserer wichtigsten Lektionen war: „Nur weil du ein gutes Produkt hast, heißt es nicht, dass die Leute es dir direkt aus der Hand reißen.“ Da wir ein sehr tech-lastiges Team sind, mussten wir uns erst daran gewöhnen, viel mehr Sales selbst zu machen und uns trauen, auch marketingtechnisch offensiv nach draußen zu gehen.
 

Hat sich seit der formalen Gründung etwas für euch geändert? Und wenn ja, was?

 

Vor allem gibt es jetzt deutlich mehr Buchhaltung und Bürokratie – „yeah“! Jahresabschlüsse, gesetzliche Vorgaben, Bilanzen und endlose Dokumentationen sind jetzt Teil des Alltags. Aber Spaß beiseite: Die formale Gründung war der richtige unternehmerische Startschuss. Zu wissen, dass alles in trockenen Tüchern ist, gibt Sicherheit. Es war auch der perfekte Anlass, um intern die Rollen noch einmal klarer zu verteilen. Nach außen hin hat sich unsere Sichtbarkeit und Wahrnehmung deutlich verbessert. Zudem ist die Förderfähigkeit für viele spannende Programme oftmals an die Gründung einer Kapitalgesellschaft geknüpft.

 

Wie habt ihr das Problem der Finanzierung gelöst?

 

Wir haben ganz klassisch mit Bootstrapping angefangen und unsere ersten Aufträge an Land gezogen. Ergänzend sind Förderprojekte und Forschungsprogramme sinnvoll, um unsere Produktentwicklung voranzutreiben. Investorengelder sind für uns erst ein Thema für die Zukunft.

 

Haben globale Krisen wie z. B. der Ukraine-Krieg Auswirkungen auf euer Startup?

 
Tatsächlich haben wir die Auswirkungen der Krisen gespürt, aber in unserem Sektor eher als Beschleuniger. Durch die extrem gestiegenen Strompreise in Folge des Ukraine-Krieges ist der Wunsch nach Energieunabhängigkeit enorm gewachsen. Es wurden viel mehr Solaranlagen gekauft und das Interesse an dynamischen Stromtarifen – und damit auch an unserer Software-Lösung zur Optimierung – ist stark gestiegen.
 

Was sind eure nächsten großen Meilensteine in den kommenden 12 Monaten?

 

Wir planen Projekte außerhalb unserer bisherigen Energy-Management-System Bubble (EMS) anzugehen. Dazu gehören beispielsweise die Beschaffungsoptimierung oder ein VPP-Forschungsprojekt (Virtual Power Plant) in Zusammenarbeit mit Energieversorgern und Stadtwerken. Parallel dazu stehen die Skalierung unserer eigenen Server-Infrastruktur und weitere spannende Feature-Verbesserungen für unseren EMS-Baukasten ganz oben auf der Agenda.

 

Welche Eigenschaft sollte man aus eurer Sicht als Gründer*in mitbringen?

 

  • Being comfortable in being uncomfortable“: Man muss Lust darauf haben, sich ständig in komplett unbekannte Zonen zu begeben, und lernen, sich dabei nicht unwohl zu fühlen.
  • „You build it, you own it“: Gerade am Anfang – und besonders, wenn man eher introvertiert oder ein reiner Techie ist – muss man sich selbst etwas pushen und überzeugen. Man muss rausgehen, seine Lösung präsentieren, mit Menschen reden und aktiv Feedback einsammeln. Das falsche Produkt zu bauen ist bekanntermaßen ein sehr teurer Startup-Fehler.
  • „Ein flexibler Sturkopf sein“: Man braucht eine gewisse sture Überzeugung, um an die eigene Idee zu glauben. Gleichzeitig muss man aber flexibel genug sein, um sofort umzulenken, wenn sich getroffene Annahmen als falsch herausstellen.

 

Habt ihr ganz praktische Tipps für andere junge Unternehmensgründer*innen?

 

Führt weiterhin ein normales Leben! Es bringt nichts, zu arbeiten, bis man umfällt. Pflegt eure Freundschaften, nehmt euch Freizeit und achtet auf eure Gesundheit.

 

Und lasst den Kopf nicht hängen, auch wenn es im Startup-Alltag mal regnet oder hagelt. Das Wetter kann wechselhaft sein – und genau das ist auch gut so, um den Markt und seine Dynamiken wirklich kennenzulernen.

 

Was würdet ihr aus heutiger Sicht vielleicht anders machen?

 

Wir würden bei internen und externen Herausforderungen noch mehr und früher kommunizieren.

 

  • Ganz im Sinne unserer Unternehmenswerte würden wir bei einer neuen Idee noch schneller ins „Doing“ kommen und pragmatischer vorgehen – und damit dann auch in die Öffentlichkeit rausgehen.
  • Unternehmerisch gesehen würden wir uns früher auf B2B2C-Projekte fokussieren (auch wenn sich das im Nachhinein immer leichter sagen lässt).
  • Wir würden direkt eine GmbH samt Holding gründen und nicht erst den Umweg über eine GbR gehen, um uns die ganze Umwandlungsbürokratie zu sparen (dafür muss man sich seines Weges aber natürlich von Tag eins an sehr sicher sein).
  • Und ein ganz wichtiger Punkt: Wir würden am Anfang keine Zeit mehr mit Investorengesprächen verschwenden. Ohne echte „Traction“ bekommt man in der deutschen VC-Landschaft ohnehin nur sehr schwer Geld, außer man hat vorher schon erfolgreich gegründet. Das haben aber die wenigsten jungen Gründer.
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