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Gründung des Monats: mableAI

VERÖFFENTLICHT AM
27.10.2026
Autor
Farzad Yaqubi
Kategorie
Gründung des Monats
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Gegründet wurde Mable von Nils Jessen, der heute gemeinsam mit Nikita Kayat und Horst Wenske die Geschäftsführung bildet. Mit seiner Technologie unterstützt das Unternehmen Onlinehändler dabei, ihre Werbung auf Plattformen wie Meta und Google effizienter zu gestalten. Dabei geht es nicht nur um die Erfassung von Daten, sondern vor allem darum, Algorithmen gezielt auf Neukundengewinnung und Profitabilität zu optimieren.

 

Im Gespräch mit der KIT-Gründerschmiede gibt Gründer Nils Jessen Einblicke in die Entstehung von Mable, die Herausforderungen beim Aufbau eines Technologieunternehmens und die Weiterentwicklung der Plattform. Außerdem geht es darum, weshalb das Team seine Software vollständig neu entwickelt hat und welche Erfahrungen Nils anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg gibt.

Du findest das ganze Interview auf Spotify und Apple Podcasts.

Wofür steht euer Unternehmen?

Mable hilft Onlineshops, über Werbung auf Instagram, Facebook und Google mehr Kunden zu gewinnen und profitabler zu werden. Dafür sorgen wir, dass Werbealgorithmen vollständige und korrekte Daten aus den Onlineshops erhalten, datenschutzkonform und auf Basis der Einwilligung der Shopbesucher.

Zusätzlich reichern wir diese Daten mit wichtigen Geschäftsinformationen an, etwa ob ein Kauf von einem Neukunden stammt oder wie profitabel er ist. So können Unternehmen ihre Werbung gezielt auf ihre Geschäftsziele ausrichten.

Wo und wie kam euch die zündende Idee zur Gründung?

Die Idee entstand aus einem Projekt meiner Innovationsberatung, die ich 2020 gegründet hatte. Beim Aufbau des digitalen Vertriebs einer großen Versicherung stellte uns Apples Datenschutz-Update iOS 14.5 vor neue Herausforderungen. Wichtige Tracking-Daten gingen verloren und die Werbealgorithmen konnten nicht mehr zuverlässig lernen.

Nachdem wir verschiedene Lösungen getestet hatten, entwickelten wir eine eigene Technologie zur Verbesserung der Datenqualität. Schnell wurde klar, dass dieses Problem viele Unternehmen betrifft. So entstand im Oktober 2021 die Mable GbR.

Wie hat sich das Gründungsteam zusammengefunden?

Unser Team verbindet die gemeinsame Vergangenheit am KIT. Meine beiden ursprünglichen Mitgründer lernte ich während meines Studiums beziehungsweise beim Gründergrillen der KIT-Gründerschmiede kennen. Beide haben Mable inzwischen verlassen.

Nikita, unser heutiger CPO & CHRO, ist seit dem Kindergarten mein bester Freund und kam 2022 als Praktikant dazu. Horst, unser CTO & COO, stieß über unsere Pre-Seed-Finanzierungsrunde zum Unternehmen und übernahm später eine operative Rolle. Heute führen wir Mable zu dritt.

Was ist eure große Vision?

Wir stellen uns eine Zukunft vor, in der leistungsfähigere Werbealgorithmen Marketer unterstützen, statt sie überflüssig zu machen.

Wir glauben, dass sich die Rolle des Performance Marketers zunehmend zum „Algorithm Trainer“ entwickelt. Anstatt jede einzelne Entscheidung selbst zu treffen, bestimmt er, aus welchen Daten der Algorithmus lernt und welche Ziele er verfolgt. Genau diesen Prozess wollen wir mit Mable vereinfachen.

Was unterscheidet Mable von klassischen Tracking-Tools?

Klassische Tracking-Tools konzentrieren sich vor allem darauf, Daten möglichst vollständig zu erfassen. Für uns ist das nur die Grundlage.

Der eigentliche Mehrwert liegt darin, welche Informationen an die Werbealgorithmen weitergegeben werden. Mit unserem Ansatz des Algorithm Trainings können Unternehmen ihre Werbung gezielt auf Neukunden oder besonders profitable Bestellungen optimieren, statt ausschließlich auf Umsatz zu schauen.

Wo seht ihr nennenswerte Hürden beim Gründungsprozess?

Unsere größte Hürde war die Bürokratie. Da Mable aus meiner bestehenden Innovationsberatung entstanden ist, mussten wir die Software rechtlich sauber in die neue GmbH überführen, um Investitionen zu ermöglichen.

Dieser Prozess war deutlich aufwendiger als erwartet und hat uns noch lange nach der eigentlichen Gründung beschäftigt.

Wo habt ihr euch Unterstützung geholt?

Mit der KIT-Gründerschmiede verbindet mich bereits meine erste Gründung im Jahr 2016. Besonders wertvoll waren für Mable aber die Erfahrungen anderer Gründerinnen und Gründer aus unserer Branche.

Auch das CyberForum spielte eine wichtige Rolle. Bei einem Pitch-Event konnten wir Kontakte zu Investoren knüpfen, die später unsere Pre-Seed-Finanzierung unterstützten. Heute profitieren wir zusätzlich von einem erfahrenen Beirat.

 

Warum habt ihr euch entschieden, Mable 2.0 komplett neu zu entwickeln?

Mit unserem Wachstum stieß die ursprüngliche Plattform zunehmend an ihre Grenzen. Deshalb entschieden wir uns, die Software vollständig neu aufzubauen, statt den bestehenden Prototyp immer weiter anzupassen.

Dafür haben wir bewusst zwölf Monate auf weiteres Wachstum verzichtet. Ende Juni 2025 ging Mable 2.0 an den Start. Bis Jahresende konnten wir über 200 Bestandskunden auf die neue Plattform umstellen. Das war eine große Herausforderung, die sich für uns gelohnt hat.

Erster Pilotkunde, erster Prototyp, was waren eure Learnings?

Unser erstes Produkt war bewusst einfach gehalten. Gemeinsam mit einer Agentur haben wir es ab April 2022 an fünf E-Commerce-Marken getestet.

Unser wichtigstes Learning war, technische Lösungen nicht nur auf ihre theoretische Funktionsfähigkeit zu prüfen, sondern ihre Ergebnisse kontinuierlich zu messen. Außerdem haben wir gelernt, dass vollständige Daten allein nicht ausreichen. Entscheidend ist, dass sie die tatsächlichen Geschäftsziele unserer Kunden widerspiegeln.

Was hat sich seit der formalen Gründung verändert?

Der entscheidende Unterschied war die Möglichkeit, Investoren aufzunehmen. Im Juni 2022 wurde aus der Mable GbR eine GmbH. Damit konnten wir erstmals eine Finanzierungsrunde durchführen und den weiteren Aufbau unseres Unternehmens beschleunigen.

Wie habt ihr das Problem der Finanzierung gelöst?

Die erste Produktentwicklung habe ich mit Gewinnen aus meiner Innovationsberatung selbst finanziert. Bereits wenige Monate nach dem Marktstart 2022 erreichten wir den Break-even.

Anschließend entschieden wir uns für eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde mit Business Angels und institutionellen Investoren, um unser Wachstum zu beschleunigen. Aktuell setzen wir auf Profitabilität, um langfristig unabhängig entscheiden zu können, ob wir aus eigener Kraft weiterwachsen oder erneut Kapital aufnehmen.

Was sind eure nächsten großen Meilensteine in den kommenden zwölf Monaten?

Wir möchten unser Vertriebs-, Marketing- und Customer-Success-Team weiter ausbauen und den konkreten Mehrwert unserer Plattform für Kunden noch sichtbarer machen.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Expansion in die USA. Erste Kunden haben wir dort bereits. Künftig wollen wir mit einem eigenen Team vor Ort wachsen und enger mit Performance-Marketing-Agenturen zusammenarbeiten.

Welche Eigenschaften sollte man aus eurer Sicht als Gründer mitbringen?

Aus unserer Sicht sind vor allem fünf Eigenschaften entscheidend: Optimismus, Resilienz, eigenständiges Denken, Selbstvertrauen und Demut.

Gerade beim Gründen muss man bereit sein, Rückschläge zu akzeptieren, aus Erfahrungen zu lernen und trotzdem an seiner Vision festzuhalten.

Habt ihr ganz praktische Tipps für andere junge Unternehmensgründer?

Lernt von Gründerinnen und Gründern, die ein oder zwei Schritte weiter sind als ihr. Ihre Erfahrungen sind oft besonders wertvoll, weil sie ähnliche Herausforderungen erst vor Kurzem selbst gemeistert haben.

Außerdem ist der Product-Market-Fit entscheidend. Umsatz von echten Kunden ist eine viel wichtigere Bestätigung als ein Investment. Und vor allem: Habt Geduld und bleibt dran, denn fast alles dauert länger als erwartet.

 

 

Was würdet ihr aus heutiger Sicht vielleicht anders machen?

Wir würden früher skalierbare Systeme und Prozesse aufbauen, allerdings erst, nachdem der Product-Market-Fit bestätigt wurde.

Wir haben zu lange versucht, fehlende Strukturen durch manuelle Mehrarbeit auszugleichen. Heute würden wir früher die Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum schaffen.

 

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