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Gründung des Monats: diafania

VERÖFFENTLICHT AM
20.01.2026
Autor
Aline Kinzie
Kategorie
Gründung des Monats
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diafania steht für Transparenz, Effizienz und Wertschöpfung aus unstrukturierten Daten. Das Startup adressiert ein weit verbreitetes Problem: In Unternehmen bleiben täglich wertvolle Informationen in Dokumenten verborgen. Dieses Dokumentenchaos kostet Zeit, Geld und verhindert effiziente Prozesse sowie fundierte Entscheidungen. diafania macht diese Informationen nutzbar. Die KI-Plattform strukturiert Dokumente, kategorisiert und priorisiert Inhalte, extrahiert relevante Informationen und integriert sie direkt in operative Prozesse oder Analysen. So entsteht aus verstreuten Dokumenten eine kuratierte, verlässliche Wissensbasis – und aus Daten echte Wertschöpfung.

 

Im Gespräch mit Moderatorin Daniela erzählen Gründerin Vera und Gründer Michael, warum ein starker technologischer Hintergrund gerade in der KI-Branche ein entscheidender Vorteil ist, und wie es sich anfühlt, einen gut bezahlten Vollzeitjob hinter sich zu lassen und mit dem Glauben an eine Idee in die Gründung zu starten. Außerdem geht es um die Frage, warum KI aus Sicht der Gründer:innen vor allem entlasten sollte und wie aus diafania langfristig ein Unternehmen mit internationalem Anspruch werden kann. Du findest das ganze Interview auf Spotify und Apple Podcasts.

Wo und wie kam euch die zündende Idee zur Gründung?

 

Die Idee entstand ehrlich gesagt in einem systematischen Prozess. Gemeinsam wurden Themen gesammelt, an denen es sich zu Arbeiten lohnt und die eine Nähe zu den Erfahrungen des Gründungsteams haben. Das konkrete Thema kam dann aus einer gemeinsamen Beobachtung aus Michaels und Veras Arbeit an KI- und Datenprojekten: Datenverfügbarkeit und Datenqualität sind oft die größten Herausforderungen und behindern die volle Nutzung des Datenpotentials. Durch die neuen Errungenschaften im KI-Bereich wurde das Heben von unstrukturierten Daten aus Dokumenten technisch möglich bzw. einfacher.

Systematisch wurden dann in zwei Interviewrunden Branche, Zielgruppe und Branchensegment identifiziert und erste Prototypen gebaut. So entstand Schritt für Schritt aus individuellen Erfahrungen, intensiven Diskussionen und komplementären Stärken die Gründungsidee – mit dem Ziel, Innovation nicht nur zu denken, sondern im alltäglichen Arbeiten wirksam werden zu lassen. Ende 2024 war dann die finale Vision geboren, eine KI-Plattform für die Erfassung und Aufbereitung von unstrukturierten Daten in der Immobilienindustrie aufzubauen.

Wie hat sich das Gründungsteam zusammengefunden?

 

Michael und Vera kennen sich schon eine ganze Weile aus der gemeinsamen Arbeit im KI-Bereich. Als Vera dann 2022 Johannes kennen lernte fragte dieser sie: „Und, wann gründest du?“ Vera konnte damals nur etwas verwirrt lachen, aber Johannes hatte schon früh ihre Kreativität, Zielstrebigkeit und ihren Drang nach Transformation erkannt. Als Vera dann 2024 an den Punkt war, ihren Job zu wechseln, kam es zu erneuten Gesprächen rund um das Thema Unternehmertum. Hier war für Vera schnell klar, dass für sie eine Gründung im KI Bereich ohne Michael’s Erfahrung mit generativer KI und ihrem Einsatz im realen Unternehmensumfeld nicht in Frage kommt. Gemeinsame Gesprächsrunden ergaben dann recht schnell, dass wir zu dritt den Weg in die Gründung gehen wollen.

 

Was ist eure große Vision?

 

Unsere große Vision ist es, führender Anbieter für KI-gestützte Lösungen zur Datenstrukturierung in der Immobilienbranche zu werden und unsere Technologie perspektivisch auch für weitere Branchen zugänglich zu machen. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass Märkte und Rahmenbedingungen volatil sind. Deshalb wachsen wir bewusst mit Augenmaß – Schritt für Schritt, agil und anpassungsfähig. Unser Anspruch ist es, in jedem Wachstumsschritt die Qualität unserer Lösung und die Nähe zu unseren Kunden zu bewahren und jederzeit die bestmögliche Leistung zu liefern.

Wo seht ihr nennenswerte Hürden beim Gründungsprozess?

 

Nennenswerte Hürden im Gründungsprozess sehen wir vor allem auf struktureller und persönlicher Ebene. Zum einen spielen sozioökonomische Faktoren eine Rolle: Der Mut zur Gründung hängt stark von Sozialisierung, Umfeld und der Fähigkeit ab, finanzielle Unsicherheit über längere Zeit auszuhalten – Voraussetzungen, die nicht für alle gleichermaßen gegeben sind. Zum anderen stellt die Bürokratie in Deutschland eine spürbare Herausforderung dar. Regulatorische Anforderungen und administrative Prozesse sind oft zeitaufwendig und bremsen gerade in frühen Phasen unnötig. Gleichzeitig erleben wir die Startup-Szene insgesamt sehr positiv: Sobald man den Zugang gefunden hat, ist das Ökosystem offen, unterstützend und geprägt von gegenseitiger Hilfsbereitschaft. Dieser Austausch und Zusammenhalt sind eine große Stärke und ein wichtiger Gegenpol zu den genannten Hürden.

 

Wo habt ihr euch Unterstützung geholt?

 

Unterstützung haben wir uns vor allem über starke Netzwerke und Förderprogramme geholt. Dazu zählen unter anderem die KIT-Gründerschmiede, EXIST, das UnternehmerTUM-Netzwerk sowie das GROUNDBREAKERS Programm. Zusätzlich haben wir an verschiedenen Wettbewerben teilgenommen, die uns wertvolle Sichtbarkeit, Feedback und neue Türen im Ökosystem geöffnet haben. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit Mentoren (bspw. Prof. Satzger vom KSRI) und Experten aus der Branche zusammen, die uns mit ihrer Erfahrung strategisch und operativ begleiten.

 

Was waren in eurer Gründungsphase besonders große Herausforderungen?

 

Das Leben im Startup ist hochdynamisch: Die Hütte brennt eigentlich immer, es gibt unendlich viele Baustellen, und man könnte 24/7 arbeiten. Die eigentliche Kunst ist es, klare Grenzen zu setzen und sich trotz Dauerstress bewusst Auszeiten zu nehmen. Für uns heißt das manchmal: Laptop zu, raus in die Berge, Kopf frei bekommen. Das ist nicht immer leicht, aber absolut notwendig, um langfristig leistungsfähig und kreativ zu bleiben.

 

Hat sich seit der formalen Gründung etwas für euch geändert?

 

Seit unserer Gründung hat sich vor allem unser Umgang mit Unsicherheit stark verändert. Obwohl wir durch unser Umfeld ein realistisches Bild vom Gründen hatten, wurde schnell deutlich, dass Unsicherheit ein ständiger Begleiter ist – sei es in finanziellen Fragen, bei strategischen Entscheidungen oder im Austausch mit potenziellen Kunden und Partnern. Gerade in der Anfangsphase waren viele Entscheidungen mit offenen Fragen verbunden: Trifft man die richtigen Ansprechpartner? Ist die Idee tragfähig? Wie belastbar ist das Feedback aus dem Markt? Mit der Zeit haben wir gelernt, diese Ungewissheit zu akzeptieren und Entscheidungen auf Basis des jeweils besten verfügbaren Wissens zu treffen.

Heute sind wir deutlich routinierter darin, Verantwortung zu übernehmen, auch ohne vollständige Sicherheit. Die Fähigkeit, mit Ambiguität umzugehen, Prioritäten zu setzen und aus Erfahrungen zu lernen, ist eine der größten Veränderungen und Entwicklungen seit der Gründung.

Wie habt ihr das Problem der (Anschluss-)Finanzierung gelöst?

 

Momentan finanzieren wir uns hauptsächlich über das EXIST Gründungsstipendium und erste zahlenden Kunden. Gleichzeitig halten wir uns alle Optionen offen, möchten aber vor allem unserem Produkt und unserer Vision treu bleiben.

 

Haben aktuelle globale Krisen Auswirkungen auf euer Startup?

 

Globale Krisen und geopolitische Entwicklungen haben keinen direkten Einfluss auf unsere Produktion oder Lieferketten, da diafania als Software- und KI-Plattform arbeitet. Gleichzeitig haben die Ereignisse der letzten Jahre – wie geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und der zunehmende Fokus auf digitale Souveränität – die Relevanz unseres Ansatzes deutlich verstärkt. Wir brauchen europäische, souveräne KI-Lösungen mit hohen Anforderungen an Datensicherheit.

Aktuell arbeiten wir hier noch mit den großen Cloud-Anbietern zusammen, beobachten aber konstant den Markt. Perspektivisch kann es sein, dass wir eher auf europäische Cloudlösungen aufsetzen müssen. Unsere Software ist so aufgebaut, dass das jederzeit möglich wäre und wir hier ohne allzu große Hürden reagieren können.

Was sind eure nächsten großen Meilensteine in den kommenden 12 Monaten?

 

In den kommenden 12 Monaten möchten wir unser Team gezielt vergrößern, insbesondere zur Weiterentwicklung unseres Produkts und zur Skalierung unseres Geschäftsmodells. Parallel dazu bauen wir bestehende Kundenprojekte weiter aus und vertiefen die Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Ein weiterer zentraler Meilenstein ist es, unsere Reichweite innerhalb der Branche deutlich zu erhöhen und diafania als relevante KI-Lösung im Markt zu etablieren.

 

Welche Eigenschaft sollte man aus eurer Sicht als Gründer:in mitbringen?

 

Gründer:innen sind sehr unterschiedlich und es gibt sicherlich nicht die eine perfekte Eigenschaft. Wichtig ist aber, neugierig und lernbereit zu sein. Dinge einfach mal auszuprobieren und nicht von vornherein zu zerdenken, was alles schief gehen könnte, hilft sicherlich auch. Was direkt in den letzten Punkt rein geht: Optimistisch in die Zukunft zu schauen, ist sicherlich ebenfalls eine der Grundeigenschaften, die man braucht, um ein eigenes Unternehmen aufzubauen.

Habt ihr ganz praktische Tipps für andere junge Unternehmensgründer:innen?

 

Holt euch Hilfe. Klingt banal, aber sich mit anderen auszutauschen und nach Unterstützung zu fragen wird euch schneller voranbringen. Je schneller ihr lernt, desto früher kann euer Startup erfolgreich werden. Ihr werdet nicht von Anfang an die richtige Lösung für alles haben. Aber irgendwann merkt ihr am Feedback, dass ihr auf der richtigen Spur seid.

 

Was würdet ihr aus heutiger Sicht vielleicht anders machen?

 

Schwierig zu sagen. Jede Reise ist so individuell. Wir hätten rückblickend gerne früher aktiv zusammen und in Vollzeit an der Idee gearbeitet. Wir hatten da einen Gap drin, als Vera zuerst in der Selbständigkeit war. Das würden wir in der Form nicht nochmal so machen.

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