part of Startup Factory

Gründung des Monats: Desoltik

VERÖFFENTLICHT AM
11.02.2026
Autor
Emma Schmitt
Kategorie
Gründung des Monats
Zur Übersicht

Desoltik steht für eine Zukunft, in der Elektronik nicht vorschnell entsorgt wird, sondern möglichst lange im Kreislauf bleibt. Unsere Motivation kommt aus der Beobachtung, dass in jedem elektronischen Produkt enorme Wertschöpfung steckt – Material, Energie und Know-how – und trotzdem jährlich rund 62 Millionen Tonnen Elektroschrott entstehen. Nicht, weil alles kaputt ist, sondern weil Reparatur oft unwirtschaftlich ist.

 

Rouven Jachemich, Maximilian Möbius, Alexander Meiners und Florian Stamer haben sich gefragt, warum das so ist, und festgestellt, dass ein großer Teil der Reparaturkosten auf die Fehlersuche entfällt. Wenn man weiß, welches Bauteil defekt ist, ist der Austausch meist schnell und günstig. Teuer sind die manuellen, zeitintensiven Inspektionsprozesse davor. Genau hier setzen ihr Startup an.

 

Im Gespräch mit Moderatorin Daniela erzählen Gründer Rouven und Max wie sie sich ursprünglich aus einer anderen Idee als Team gefunden haben und welche Meilensteine im kommenden Jahr anstehen. Du findest das ganze Interview auf Spotify und Apple Podcasts.

Wo und wie kam euch die zündende Idee zur Gründung?

 

Der Ursprung von Desoltik liegt im Student Innovation Lab des KIT, einem studentischen Modul, in dem Teams über zwei Semester hinweg bei der Gründung eines Startups begleitet werden. Dort haben wir uns kennengelernt und sind über dieses Umfeld auch mit dem wbk in Kontakt gekommen, das sich unter anderem mit nachhaltiger Produktion und Circular Economy beschäftigt.

 

Als Elektrotechniker haben wir uns gefragt, ob es eine funktionierende Kreislaufwirtschaft auch in der Elektronikindustrie geben kann. Diese Frage wurde zum Ausgangspunkt unserer Vision. Unsere Masterarbeiten am wbk – betreut von Florian Stamer, unserem heutigen Co-Founder – drehten sich genau um diesen ersten entscheidenden Schritt: eine wirtschaftliche Inspektion, die entscheidet, was mit einem elektronischen Gerät sinnvollerweise passieren sollte.

 

Aus Forschungsarbeit, ersten Prototypen, Messeauftritten und Marktanalysen wurde Schritt für Schritt klar, dass daraus ein Unternehmen entstehen kann. Ende 2024, Anfang 2025 haben wir uns zur Gründung entschlossen. Seit Anfang 2025 arbeiten wir in Vollzeit an Desoltik.

 

Wie hat sich das Gründungsteam zusammengefunden?

 

Was uns verbindet, ist nicht nur das Interesse an nachhaltiger Elektronik, sondern auch eine ähnliche Arbeitsweise: pragmatisch, neugierig und lösungsorientiert. Als das Projekt größer wurde, merkten wir, dass uns noch tiefe Softwareexpertise fehlte. Daraufhin begannen wir die Suche nach einem weiteren Co-Founder. Nach mehreren Matching-Events der KIT-Gründerschmiede und des CyberLabs – und kurz bevor wir die Suche offiziell ausschreiben wollten – entstand zufällig ein Gespräch in der Mensa mit Alex. Er suchte ein Team, wir jemanden mit genau seinem Profil. Aus ersten Gesprächen und Einarbeiten wurde Vertrauen und schließlich eine Zusammenarbeit, aus der unser heutiges Team entstand.

 

Was ist eure große Vision?

Unsere Vision ist es, mit unserer Technologie ein Enabler für eine profitable Circular Economy in der Elektronikindustrie zu sein. Entscheidungen über Reparatur, Weiterverwendung oder Austausch sollen datenbasiert, wirtschaftlich und nachhaltig getroffen werden – nicht aus Unsicherheit oder Zeitdruck.

 

Gleichzeitig glauben wir an eine grünere Zukunft, in der Technologie und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen. Wir sind überzeugt, dass wir die Herausforderungen unserer Zeit nicht durch Verzicht, sondern durch Innovation und neue Technologien lösen können. Unser Ziel ist es, Elektronik nachhaltiger zu gestalten – und dabei für unsere Kunden wirtschaftlichen Mehrwert zu schaffen.

Wo seht ihr nennenswerte Herausforderungen im Gründungsprozess?

 

Startup bedeutet für uns vor allem eines: Gleichzeitigkeit. Produktentwicklung, Kundenprojekte, Finanzierung, Organisation und Teamaufbau laufen parallel – das ist eine echte Herausforderung. Wir mussten zunächst lernen, mit dieser Dynamik umzugehen und bewusst Prioritäten zu setzen, was uns heute deutlich leichter fällt.

 

Gleichzeitig haben wir gemerkt, dass Fehlerkultur ein entscheidender Faktor ist – besonders in Deutschland, wo Scheitern oft negativ belegt ist. Wir sind überzeugt, dass Innovation nur dort entsteht, wo man aus Fehlern lernen darf. Der geschützte Rahmen an der Universität hat uns genau das ermöglicht: auszuprobieren, zu scheitern, zu reflektieren und besser zu werden. Diese Haltung wollen wir in unser Unternehmen tragen.

 

Wo habt ihr euch Unterstützung geholt?

 

Schon während des Student Innovation Labs haben wir früh Unterstützung von der KIT-Gründerschmiede und dem CyberForum erhalten – sei es bei alltäglichen Gründungsthemen, ersten Events oder durch wertvolle Kontakte in deren Netzwerken. Besonders wichtig war für uns außerdem das wbk, das uns von Beginn an begleitet hat. Dort konnten wir vorhandene Ressourcen und Einrichtungen nutzen und unser wissenschaftliches Thema Schritt für Schritt in ein Startup überführen.

Hat sich seit der formalen Gründung etwas für euch geändert? Und wenn ja, was?

 

Wir stehen aktuell kurz vor unserer GmbH-Gründung und merken dabei deutlich, dass viele Rechtsabteilungen auf Kundenseite genau auf diese Rechtsform ausgelegt sind. In der Praxis ist es oft schwierig, Pilotprojekte in der GbR-Struktur umzusetzen, weil sie weniger rechtliche Sicherheit bietet. Eine GmbH schafft hier einen verlässlicheren Rahmen, signalisiert Seriosität und erleichtert die Zusammenarbeit mit unseren Partnern und Kunden erheblich.

 

Wie habt ihr das Problem der Finanzierung gelöst?

 

Bisher haben wir weitgehend gebootstrappt und sind aktuell über das EXIST-Programm für ein Jahr finanziert. Parallel planen wir erste Pilotprojekte unseres MVP. Unser Fokus liegt darauf, einen klaren Product-Market-Fit zu erreichen.

 

Was sind eure nächsten großen Meilensteine in den kommenden 12 Monaten?

 

In den kommenden zwölf Monaten stehen für uns mehrere Meilensteine an: die GmbH-Gründung, die Weiterentwicklung unseres Produkts im EXIST-Zeitraum, der Start von Pilotprojekten mit ersten Kunden, die Erschließung neuer Marktsegmente und der Aufbau erster Mitarbeitender.

 

Welche Eigenschaft sollte man aus eurer Sicht als Gründer*in mitbringen?

 

Gerade am Anfang hilft es enorm, ein Allrounder zu sein und für die eigene Idee zu brennen.

 

Habt ihr ganz praktische Tipps für andere junge Unternehmensgründer*innen?

 

Unser wichtigster praktischer Tipp: Sprecht so früh wie möglich mit potenziellen Kunden – idealerweise noch bevor ihr in die eigentliche Produktentwicklung einsteigt. Echte Gespräche ersetzen viele Annahmen.

Du Willst noch mehr sehen?

Weitere
BEITRÄGE