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Gründung des Monats: data revolution

VERÖFFENTLICHT AM
26.05.2026
Autor
Aline Kinzie
Kategorie
Gründung des Monats
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data revolution beschäftigt sich mit der Frage, wie Unternehmen ihre Daten nicht nur sammeln, sondern tatsächlich sinnvoll einsetzen können. Im Fokus stehen dabei IoT-Daten und die neuen Möglichkeiten durch den EU Data Act. Das Startup entwickelt Lösungen, die Daten aus Maschinen und vernetzten Geräten zugänglich und nutzbar machen – etwa in der Landwirtschaft oder Industrie.

Im Gespräch mit Moderatorin Daniela erzählt Gründer Philip Schütz, wie aus einem hochregulierten Zukunftsthema ein Startup entstanden ist, warum große technologische Veränderungen oft Geduld brauchen und weshalb sich rund um Datennutzung gerade eine völlig neue Szene entwickelt. Außerdem spricht er darüber, warum Unternehmen künftig stärker selbst über ihre Daten bestimmen wollen – und welche Chancen daraus entstehen können. Du findest das ganze Interview auf Spotify und Apple Podcasts.

Wofür steht euer Unternehmen?

 

Getreu unserem Slogan „we make your data work for you“ hat sich das IT-Startup data revolution das ehrgeizige Ziel  gesetzt, die zentrale Plattform für das Enablement von IoT-Gerätenutzern (vor allem im B2B-Bereich) zu werden, um ganz unterschiedliche Mehrwerte aus ihren IoT-Daten ziehen zu können. Zentraler Dreh- und Angelpunkt ist dabei der EU Data Act, der seit dem 12. September 2025 europaweit vollständig in Kraft getreten ist und die Besitzverhältnisse von bei der Nutzung von vernetzten Produkten und Services generierten Daten komplett auf den Kopf stellt. Während vorher die Hersteller vernetzter Produkte (das können Laptops, Smartphones, Wearables, aber auch Smart Home Appliances, connected vehicles, Industrie 4.0 Anwendungen oder vernetzte Technologien im Energie- und Gesundheitssektor sein) exklusives Zugriffsrecht auf diese Daten hatten, sind es nun die Besitzer, Eigentümer und Mieter dieser Geräte, die zum Owner der bei der Nutzung generierten Daten werden. Unsere Plattform ist dabei bewusst offen für jede Form von IoT-Technologie gehalten, wir starten momentan aber spitz in den Markt mit Kooperationspartnern im Fahrzeugflotten und Agritech-Bereich.

 

Wo und wie kam euch die zündende Idee zur Gründung?

 

Durch ein bereits vor Jahren gestartetes und vor Kurzem veröffentlichtes Buch-Kapitel zur neuen Digital-Gesetzgebung der Europäischen Union hat sich Philip relativ früh und intensiv mit dem EU Data Act auseinandergesetzt. Dieser rechtliche Paradigmenwechsel schafft – so ist es auch explizit vonseiten der EU vorgesehen – neue, extrem spannende, datenbasierte Geschäftsmodelle. Wieso nicht also selbst mit einem Startup in diesem bis dato völlig unterschätzten Bereich (bis auf wenige Juristen hat bis jetzt kaum jemand die riesigen Geschäftspotentiale dahinter erkannt) tätig werden? Gedacht, getan und im Januar 2025 die data revolution UG gegründet.

Wie hat sich das Gründungsteam zusammengefunden?

 

Ursprünglich hat Philip data revolution alleine gegründet und nach Mitstreitern gesucht. Die enorm große, gut organisierte und vernetzte Startup-Community in Karlsruhe und Baden-Württemberg war dabei eine enorme Hilfe. Veranstaltungen wie die vom CyberForum aufgesetzten TeamUp Events oder das vom DeepTechHub ausgerichtete Matchmaking haben Immer wieder neue Interessenten für die Position eines Co-Founders hervorgebracht. So ist hier auch der Kontakt zu Dennis und Sarin entstanden, während Johannes sich auf eine Ausschreibung für den Posten des CTOs erfolgreich beworben hat.

 

Was ist eure große Vision?

 

Alle Nutzer von vernetzten Produkten und Services sollten auf einfache Art und Weise dazu in der Lage sein Ihren gewünschten Mehrwert aus den Daten Ihrer IoT-Geräte ziehen zu können. Wir möchten diesen Zugang radikal vereinfachen und die Nutzbarmachung dieser Daten revolutionieren.

Wo seht ihr nennenswerte Hürden beim Gründungsprozess?

 

Der eigentliche Gründungsprozess verlief wenig spektakulär und mit weniger bürokratischem Aufwand als zunächst befürchtet. Vielleicht ist hier allerdings von Vorteil, dass Philip einen teilweise juristischen Background hat und ihn rechtliche Fragestellungen sowie bürokratische Prozesse nicht gerade abschrecken.

 

Wo habt ihr euch Unterstützung geholt?

 

Noch vor der eigentlichen Gründung haben wir Kontakt zum CyberForum und zur KIT-Gründerschmiede aufgebaut. Dabei sind wir informell auch von Coaches aus dem CyberLab sowie dem Center for Entrepreneurship der Hochschule Mannheim (MARS) beraten worden. Nach der Gründung haben wir am dritten Badge 2025 des Accelerators des CyberLabs teilgenommen.

 

Was waren in eurer Gründungsphase besonders große Herausforderungen?

 

Sich die rechtliche Innovation des EU Data Acts als skalierbare IT-Geschäftsidee zu eigen zu machen, bedeutet momentan noch als absoluter First Mover unterwegs zu sein. Das schafft u. a. die Herausforderung, dass man immer wieder in Gesprächen mit möglichen Kunden, IoT-Geräteherstellern oder den öffentlichen Stellen, die eine Durchsetzung des Data Acts gewährleisten sollen, an Grenzen stößt. Beispielsweise wird der Data Act gerne in einen Topf mit der Datenschutz-Grundverordnung oder dem AI Act geworfen, dabei hält er für die meisten Marktakteure keine regulativen, sondern befähigende Elemente (wie neue Datenzugriffsrechte oder vereinfachte Cloud-Switching Prozesse) bereit. Es muss daher unheimlich viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, bevor relevante Marktteilnehmer die enormen wirtschaftlichen Potentiale erkennen.

 

Eine weitere große Herausforderung ist die Kaltakquise von möglichen Kunden und Kooperationspartnern. Anfangs haben wir noch relativ viele Mails an info@-Emailadressen verschickt. Obwohl darüber einzelne sehr wertvolle Kontakte entstanden sind, war die Rücklaufquote verheerend schlecht. Auch die Kontaktaufnahme über LinkedIn oder Telefonanrufe ist nur teilweise erfolgreich. Hier ist vor allem Geduld gefragt, weil sich ein Netzwerk von Interessenten, Kooperationspartnern und Kunden erst peu-à-peu aufbauen lässt und nach dem Matthäus-Prinzip funktioniert, d. h. gerade der Anfang ist besonders schwierig.

 

Hat sich seit der formalen Gründung etwas für euch geändert?

 

Da wir erst so richtig nach der formalen Gründung losgelegt haben, hinkt ein aussagekräftiger Vergleich. In der Kontaktaufnahme und Außenwirkung (z. B. zu Kunden, etc.) bewirkt die formale Gründung ja schon, dass man nun mit einem Firmennamen und einer entstehenden Marke versuchen kann aufzutrumpfen, um so mögliche Kunden und Kooperationspartner von sich zu überzeugen.

Wie habt ihr das Problem der (Anschluss-)Finanzierung gelöst?

 

Momentan ist alles noch komplett gebootstrapped. Neben ersten Kundenaufträgen schauen wir auch nach Förder- und Forschungsprogrammen rund um das Thema EU Data Act und Aufbau von IoT-Plattformen. Mit Business Angels und Investoren haben wir uns ebenfalls bereits auseinandergesetzt, da wir im Rahmen eines Investoren-Speeddatings der Stadt Mannheim (Next Mannheim) von 20 Startups den zweiten Platz gemacht haben.

 

Haben aktuelle globale Krisen Auswirkungen auf euer Startup?

 

Da wir vor allem im B2B-Umfeld tätig sind, merkt man, dass die momentan relevanten globalen Krisen schon eine gewisse Rolle spielen, wenn es bspw. um finanzielle Spielräume bei der Entscheidung geht mal was Neues mit einem Startup ausprobieren zu können. Viele Unternehmen suchen in der Krise auch wieder den Kern ihres eigentlich ursprünglichen Geschäftsmodells. Das führt beim Thema Digitalisierung und Datennutzung (vielleicht auch noch weiter in Richtung Datenvermarktung gedacht) dazu, dass hier innovative Ideen, die außerhalb des Kerngeschäftsmodells liegen, erstmal ignoriert oder weniger stark priorisiert werden.

Was sind eure nächsten großen Meilensteine in den kommenden 12 Monaten?

 

Wir streben eine signifikante Steigerung der Anzahl unserer Kooperationspartner und Kunden im Fahrzeugflotten und AgriTech-Bereich an. Technisch sind wir über unsere Plattform bereits in der Lage Fahrzeug- und Landmaschinendaten kontinuierlich und in Echtzeit zu verarbeiten. Wir würden unser Portfolio gerne um weitere gewinnbringende Use Cases aus den Bereichen Mobilität, Energie und Gesundheit erweitern.

 

Welche Eigenschaft sollte man aus eurer Sicht als Gründer:in mitbringen?

 

Wie schon im Film „The Founder“ (2016) – sehr lohnenswerter Film – erwähnt wird, ist einer der vielleicht wichtigsten Charaktereigenschaften einer erfolgreichen Gründer*in die Ausdauer (persistence), allerdings gepaart mit einem agilen und flexiblen Mindest. Neugier ist sicherlich ebenfalls nicht schlecht und man sollte eine gewisse Form der Ausgeglichenheit und Stabilität mitbringen oder erlernen, um in der Lage zu sein, die ständigen Hochs und Tiefs abfedern zu können.

Habt ihr ganz praktische Tipps für andere junge Unternehmensgründer:innen?

 

Wichtigster Tipp: Just do it! Einfach mal loslegen. Es kommt sowieso immer anders als man denkt. Und lernen tut man auf dem Weg. Teilt Eure Ideen mit möglichst vielen Leuten und legt die Sorge beiseite, dass eure Produktidee kopiert oder geklaut werden könnte.

 

Was würdet ihr aus heutiger Sicht vielleicht anders machen?

 

Später in den Markt gehen – obwohl dann vielleicht niemand da wäre, der den Markt rund um den EU Data Act gerade so formt und beeinflusst, wie wir das tun.

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