Gründung des Monats: marton.ai
27.04.2026
Aline Kinzie
Gründung des Monats
Viele Immobilienanzeigen arbeiten noch immer mit statischen Fotos – obwohl Videos in der Vermarktung zunehmend zum Standard werden. Genau hier setzt marton.ai an. Das Startup von Antonia Dieterich, Mario Quint und Marcel Doll aus dem Umfeld des Karlsruher Instituts für Technologie entwickelt eine KI-basierte Software, die aus klassischen Immobilienfotos automatisch professionelle Videos erstellt. Ziel des Teams ist es, hochwertige Immobilienvideos ohne zusätzlichen Aufwand oder Spezialtechnik für Makler und Bauträger zugänglich zu machen.
marton.ai steht für die Vision: „Unlocking the power of professional real estate videos for all.“ Unser Ziel ist es, traditionelle, teure und aufwändige Immobilienvideos durch Automatisierung und KI abzulösen. Wir ermöglichen es Maklern, in unter 10 Minuten und ohne Vorkenntnisse aus normalen Immobilienfotos professionelle Immobilienvideos zu erstellen.
Im Gespräch mit Moderatorin Daniela erzählen die Gründer:innen Antonia und Mario, wie sie gemeinsam mit Co-Founder Marcel die Immobilienbranche revolutionieren. Sie teilen, wie sie durch den Einsatz von KI die Kosten für Immobilienvideos um 90% senken konnten, und diskutieren, wie wichtig die richtige Partnerwahl für den Erfolg eines Startups ist und wie sie es geschafft haben, innerhalb weniger Monate über 250 Makler:innen als Kundenstamm zu gewinnen. Du findest das ganze Interview auf Spotify und Apple Podcasts.
Wo und wie kam euch die zündende Idee zur Gründung?
Wir waren zuvor bereits im Bereich der 360-Grad-Rundgänge aktiv, standen dabei aber vor einem zentralen Problem: Die Erstellung war für Makler oder Dienstleister mit einem hohen Aufwand verbunden, da extra 360-Grad-Bilder mit speziellen Kameras angefertigt werden mussten. Wir haben daher nach einer Lösung gesucht, die dem Makler absolut keinen Mehraufwand verursacht und stattdessen mit den Materialien arbeitet, die ohnehin bei jeder Vermarktung vorliegen: den klassischen Immobilienfotos. Da wir die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz schon immer sehr gespannt verfolgt haben, stand unser Entschluss fest: Sobald die Technik so weit ist, wollen wir die Ersten sein, die professionelle KI-Immobilienvideos rein aus diesen vorhandenen Fotos generieren.
Wie hat sich das Gründungsteam zusammengefunden?
Mario und Marcel haben sich bereits in einem vorherigen Startup kennengelernt und dort zusammengearbeitet. Als die Entscheidung fiel, marton.ai nicht als reine Agentur aufzubauen, sondern eine intuitive Software zu entwickeln, mit der Makler ihre Videos eigenständig erstellen können, wurde Antonia als CTO mit an Bord geholt. Damit war das Trio komplett: Marcel für Strategie und Business Development, Mario für Sales und Creative Direction sowie Antonia für die Softwareentwicklung und Machine Learning.
Was ist eure große Vision?
Unsere große Vision stützt sich auf die Annahme, dass Videos in Zukunft der Immobilienvermarktung der absolute Standard sein werden: „Weniger als 1% der Immobilien werden heutzutage ohne Fotos inseriert. Bei Videos steht uns die gleiche Entwicklung bevor.“ Wir möchten diese Entwicklung anführen und professionelle Videos für jeden zugänglich machen.
Wo seht ihr nennenswerte Hürden beim Gründungsprozess?
Als Tech- und KI-Startup in Deutschland sehen wir hier vor allem zwei große Herausforderungen: Zum einen ist die allgemeine Bürokratie oft sehr schwerfällig und bindet unnötig Ressourcen. Zum anderen stellen die strengen Datenschutzrichtlinien – gerade auch in Bezug auf Startups und die Entwicklung von KI – eine immense Hürde dar. Es vergeht unheimlich viel wertvolle Zeit mit regulatorischen und rechtlichen Abstimmungen, bevor man überhaupt ins Handeln kommt und sein Produkt wirklich vorantreiben kann. Das bremst die Geschwindigkeit, die man als Startup eigentlich braucht, teilweise spürbar aus.
Wo habt ihr euch Unterstützung geholt?
Gerade in der frühen Phase war das richtige Netzwerk für uns extrem wertvoll. Wir haben uns erfolgreich um die „Start-up BW Pre-Seed“-Förderung bemüht. Vielen Dank an der Stelle an das Cyberlab, die uns als Accelerator begleitet haben und die Greenox GmbH aus Stuttgart, die als Co-Investor fungiert. Das hat uns nicht nur die erste finanzielle Basis gegeben, sondern uns auch in ein großartiges Ökosystem eingebunden.
Zudem war es uns wichtig, technologisch exzellent beraten zu sein. Daher sind wir besonders stolz darauf, dass wir Daniel Klitzke als Berater für uns gewinnen konnten. Als ehemaliger KIT-Absolvent mit vielen Jahren Berufserfahrung bringt er massive Erfahrung und tiefes Fachwissen im Bereich Machine Learning mit. Sein Input ist für die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Software ein absoluter Gewinn.
Was waren in eurer Gründungsphase besonders große Herausforderungen?
Eine der größten Herausforderungen für uns als neues Startup war es, in der eher traditionell geprägten Immobilienbranche echtes Vertrauen aufzubauen. Das galt ganz besonders für unser Kernthema Künstliche Intelligenz. Aktuell wird „KI“ oft als reines Buzzword fast schon inflationär verwendet, weshalb viele in der Branche bereits schlechte Erfahrungen mit vermeintlichen KI-Lösungen gemacht haben, die in der Praxis nicht hielten, was sie versprachen. Gegen diese anfängliche Skepsis mussten wir anarbeiten und viel Aufklärungsarbeit leisten. Umso wichtiger war und ist es für uns, nicht nur Versprechungen zu machen, sondern die Kunden direkt durch die tatsächliche Qualität und Einfachheit unserer Videos zu überzeugen.
Hat sich seit der formalen Gründung etwas für euch geändert?
Ja, ein gewaltiger Schritt: Wir haben unsere reine Entwicklungsphase erfolgreich abgeschlossen und sind mit marton.ai bereits live im Markt! Das heißt, aus unserer Vision und der technologischen Entwicklung ist nun ein greifbares Produkt geworden, das von unseren Kunden bereits genutzt wird. Unser Kernteam und unsere Vision sind zwar von Tag eins an konstant geblieben, aber unser Fokus hat sich natürlich vom reinen „Bauen“ hin zur Skalierung und Kundenbetreuung erweitert.
Wie habt ihr das Problem der (Anschluss-)Finanzierung gelöst?
Zum einen sind wir bereits seit Ende 2025 am Markt und generieren durch unsere Nutzer echte Einnahmen, die uns bei der laufenden Finanzierung und dem weiteren Wachstum helfen. Zum anderen konnten wir die „Start-up BW Pre-Seed“-Förderung für uns gewinnen. Diese Unterstützung hat uns den nötigen finanziellen Rückhalt gegeben, um die technologische Entwicklung von marton.ai voranzutreiben und das Produkt erfolgreich im Markt zu etablieren.
Haben aktuelle globale Krisen Auswirkungen auf euer Startup?
Da wir mit marton.ai ein rein digitales Produkt – genauer gesagt eine SaaS-Lösung (Software-as-a-Service) – anbieten, sind wir von solchen globalen Krisen deutlich weniger betroffen als Unternehmen in anderen Branchen. Klassische Herausforderungen wie gestörte Lieferketten, Materialknappheit, Hardware-Produktionsstopps oder Zoll-Konflikte spielen für unser Kerngeschäft keine direkte Rolle. Natürlich sind auch wir nicht völlig losgelöst von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage (wie z.B. der Situation am Immobilienmarkt), aber durch unser rein digitales und skalierbares Geschäftsmodell sind wir äußerst flexibel, robust und krisenresilient aufgestellt.
Was sind eure nächsten großen Meilensteine in den kommenden 12 Monaten?
Nach dem erfolgreichen Marktstart liegt unser voller Fokus in den kommenden 12 Monaten auf der Skalierung im DACH-Raum. Unser primäres Ziel ist die maximale Marktdurchdringung, damit bald jeder Makler und Bauträger in der Lage ist, mit unserer Software mühelos professionelle Immobilienvideos zu erstellen. Darüber hinaus haben wir zwei weitere große Meilensteine fest im Blick: Zum einen arbeiten wir im Hintergrund bereits an neuen Produkt-Releases, die den Makleralltag in Zukunft noch umfassender vereinfachen werden. Zum anderen planen wir für Ende 2026 den erfolgreichen Abschluss unserer Seed-Finanzierungsrunde, um dieses Wachstum weiter zu beschleunigen.
Welche Eigenschaft sollte man aus eurer Sicht als Gründer:in mitbringen?
Aus unserer Erfahrung heraus sind vor allem Anpassungsfähigkeit und absolute Resilienz entscheidend. Gerade im Tech- und KI-Sektor entwickelt sich alles rasend schnell. Man muss bereit sein, ursprüngliche Pläne auch mal mutig über den Haufen zu werfen. Dazu braucht es Durchhaltevermögen. Egal, ob es um bürokratische Hürden, strenge Datenschutzauflagen oder anfängliche Skepsis der Kunden gegenüber neuen Technologien wie KI geht:
Man darf sich nicht entmutigen lassen. Am Ende gewinnt meistens nicht die allererste, starre Idee, sondern das Team, das am besten auf Marktfeedback reagiert, Lösungen für echte Probleme findet und trotz Gegenwind kontinuierlich weiterbaut.
Habt ihr ganz praktische Tipps für andere junge Unternehmensgründer:innen?
Aus unserer Erfahrung können wir vor allem drei Dinge mitgeben: Fokussiert euch voll und ganz auf das Problem eurer Zielgruppe, nicht auf die Technologie. Kunden kaufen echte Lösungen und keine Buzzwords wie „KI“ – geht also früh mit Prototypen raus und sprecht mit eurer Zielgruppe. Baut euch zudem rechtzeitig ein starkes Netzwerk aus Mentoren und Programmen wie dem CyberLab auf, das euch auch hands-on unterstützt und viele Anfängerfehler erspart. Und vor allem: Habt keine Angst vor Kurskorrekturen; ein Pivot, wie wir ihn von den aufwendigen 360-Grad-Rundgängen hin zu unserer jetzigen skalierbaren Software gemacht haben, ist kein Scheitern, sondern oft der wichtigste Schritt zum funktionierenden Geschäftsmodell.
Was würdet ihr aus heutiger Sicht vielleicht anders machen?
Rückblickend würden wir definitiv noch früher mit einem ganz einfachen Prototypen an den Markt gehen, um noch schneller echtes Kundenfeedback einzuholen. Am Anfang neigt man als Tech-Startup oft zu einem gewissen Perfektionismus: Man schraubt im stillen Kämmerlein an Features und möchte das Produkt erst zeigen, wenn es sich zu 100 % „fertig“ anfühlt. Das kostet allerdings extrem viel wertvolle Zeit.
Heute wissen wir, dass ein unfertiges Produkt am Markt viel wertvoller ist als ein perfektes in der Schublade. Wir hätten uns in der Anfangsphase einige theoretische Gedankengänge und Entwicklungsschleifen sparen können, wenn wir die Makler noch früher schonungslos in die praktische Produktentwicklung einbezogen hätten. „Done is better than perfect“ ist definitiv eines unserer größten Learnings.