part of Startup Factory

Gründung des Monats: Charge Circle

VERÖFFENTLICHT AM
22.06.2026
Autor
Aline Kinzie
Kategorie
Gründung des Monats
Zur Übersicht

Charge Circle bringt zwei Gruppen zusammen, die bislang kaum Berührungspunkte hatten: Logistikunternehmen mit E-Lkw und Depotbetreiber mit eigener Ladeinfrastruktur. Mithilfe virtueller Cluster und intelligenter Routenplanung sorgt das Startup dafür, dass Ladevorgänge besser planbar werden und bestehende Kapazitäten nicht ungenutzt bleiben. So entsteht ein Geschäftsmodell, von dem beide Seiten profitieren – und das gleichzeitig die Mobilitätswende voranbringen soll.

 

Im Gespräch mit Moderatorin Daniela erzählt Gründerin Sinah-Nikola Enahoro, wie sie und ihr Mann Joshua das Unternehmen aufgebaut haben, warum der eigentliche Wandel in der Logistikbranche im Kopf beginnt und weshalb Vertrauen oft wichtiger ist als Technologie. Außerdem erklärt sie, warum Charge Circle für alle Beteiligten eine echte Win-win-win-Situation schafft. Du findest das ganze Interview auf Spotify und Apple Podcasts.

Wofür steht euer Unternehmen?

 

Für langfristige Ladepartnerschaften zur gemeinsamen Nutzung privat betriebener Lkw-Ladeinfrastruktur.

 

Wo und wie kam euch die zündende Idee zur Gründung?

 

Wir hatten uns vorerst auf V2G fokussiert, bei einem Besuch beim Kunden wurde uns aber klar, dass der Markt dies aktuell noch nicht braucht, bzw. noch gar nicht bereit dafür ist, sondern die mangelnde Ladeinfrastruktur deren aktuell größte Hürde bei der Elektrifizierung ihrer Flotte ist. Ebenso die mangelnde Planbarkeit und Zuverlässigkeit des Ladens des E-LKWs ein großes Problem, was vor allem an der mangelnden Infrastruktur liegt und ebenso ist das öffentliche Laden ein großer Kostenfaktor. Da lag es uns gefühlt wie auf dem Silbertablett vor uns: Buchen und Reservieren von Ladeslots, am besten in privaten Depots, die dann ebenfalls Geld erhalten für die ungenutzten Kapazitäten ihrer eigenen Infrastruktur.

Wie hat sich das Gründungsteam zusammengefunden?

 

Wir haben uns in der Hector School of Engineering des KIT kennengelernt. Joshua hat dort Energy Engineering & Management studiert und ich Informations System Engineering & Management. Wir hatten die Management Vorlesungen gemeinsam, dort haben wir uns dann über das Thema ausgetauscht (damals natürlich noch in ganz anderem Umfang halt heute). Joshua hat die Energy-Perspektive im Blick und ich komme aus dem Mobility Bereich, das hat sich super ergänzt.

 

Was ist eure große Vision?

 

Dass E-Lkw die Norm im Straßenverkehr sind und alle Unternehmen ihre Infrastruktur teilen, sozusagen zusammenarbeiten, um eine emissionsfreiere Zukunft möglich zu machen.

Wo seht ihr nennenswerte Hürden beim Gründungsprozess?

 

Die erste Hürde ist es, die passenden Mitgründer zu finden. Jeder Mitgründer braucht seinen klaren Aufgabenbereich, wo er oder sie die eigenen Stärken gut einsetzen kann und auch tatsächlich „gebraucht“ wird. Die zweite Herausforderung ist das Commitment: Jeder Mitgründer muss bereit sein den Weg zu gehen, der notwendig ist, um die Unternehmung voranzubringen.

 

Das kann heißen: späte Abende, finanzielles Investment aber auch die Bereitschaft für schnelles, selbstständiges und agiles Umdenken. Die dritte Hürde ist das Gründen selbst, hier muss man sich gut überlegen wann man gründet und in welcher Form. Wir mussten zum Beispiel unsere Gründung verschieben für ein Förderprogramm, wenn man aber zB auf der Suche nach einem VC ist, ist oft eine bestimmte Gründungsform gefragt. Da muss man ganz individuell entscheiden, was am besten zu einem passt. Zu guter Letzt muss man sich natürlich Gedanken über die Verteilung der Anteile an der Unternehmung machen, möchte man noch jemanden mit ins Boot holen? Wie viel % bekommen die Personen dafür?

 

Wo habt ihr euch Unterstützung geholt?

 

Wir sind bis Ende Juni Exist gefördert, hierfür und auch für andere Förderprogramme haben wir Unterstützung von der KIT-Gründerschmiede bekommen. Wir haben auch einen Mentor am KIT, ein Professor, der uns bei mit unserer Optimierung unterstützt. Ebenso arbeiten wir mit einer Sales Beraterin zusammen, unabhängig vom KIT.

 

Was waren in eurer Gründungsphase besonders große Herausforderungen?

 

Vor allem die Zusammensetzung des Teams und die ständigen Anpassungen unseres Produkts an die Bedarfe des Marktes bzw. der Kunden haben uns beschäftigt. Da uns die formale Gründung in Q3 diesen Jahres noch bevorsteht, werden auch die damit verbunden Veränderungen spannend für uns. Zudem werden wir uns im Herbst mit Seed Investment auseinandersetzen; hier möchten wir Angel Investment bekommen.

 

Haben aktuelle globale Krisen Auswirkungen auf euer Startup?

 

Die Situation im Iran und die damit verbundenen steigenden Dieselkosten haben definitiv das Interesse an E-Mobilität im Logistiksegment gesteigert.

 

Was sind eure nächsten großen Meilensteine in den kommenden 12 Monaten?

 

Die offizielle Gründung unser GmbH, über 600 tägliche Transaktionen an 250 Tagen im Jahr und der Abschluss wichtiger Key-Partnerschaften

Welche Eigenschaft sollte man aus eurer Sicht als Gründer:in mitbringen?

 

Flexibilität, Freude am Ungewissen sowie Lust auf Neues, hohe Motivation, emotionale Stabilität und Geduld 😉

 

Habt ihr ganz praktische Tipps für andere junge Unternehmensgründer:innen?

 

Seid nicht zu streng mit euch selbst. Traut euch. Startet erst mal selbst und sucht euch Co-Founder, die ihr wirklich braucht und mit denen ihr auf einer Wellenlänge seid. Tipp von unserem CEO: do things that don’t scale!

Was würdet ihr aus heutiger Sicht vielleicht anders machen?

 

Genau das: Co-Founder finden, die man braucht und mit denen man sich auf einer Wellenlänge befindet! Das heißt bei uns: CTO (Developer) viel früher ins Team holen, um die Software so früh wie möglich testen zu können.

Du Willst noch mehr sehen?

Weitere
BEITRÄGE