Gründung des Monats: jovoco
12.12.2025
Emma Schmitt
Gründung des Monats
Mit „Simplify IT“ unterstützt das Startup Jovoco mittelständische Unternehmen dabei, komplexe IT-Prozesse verständlich und direkt nutzbar zu machen. Gegründet von den KIT-Alumni Matthias und Marcel entstand die Idee zu Jovoco bei einem Gespräch über die Digitalisierung im Mittelstand. Ihr Ziel: digitale Lösungen, die echten Mehrwert schaffen – ohne unnötige Komplexität.
jovoco steht für simple, verständliche und mehrwertbringende Digitalisierung. Ihr Ansatz ist es, komplexe IT-Prozesse so zu „vereinfachen“, dass sie für jeden verständlich und direkt nutzbar sind. Sie brechen die oft schwierige und komplexe Welt der IT so herunter, dass Unternehmen – besonders Mittelständler – davon profitieren können, ohne sich in den technischen Details zu verlieren. Digitalisierung soll nicht beängstigend, sondern ein echter Mehrwert für jedes Unternehmen sein.
Im Gespräch mit Moderatorin Daniela erzählt Gründer Matthias Koppenborg, wie er auf die Idee gekommen ist und wie der Weg von Idee bis zu erfolgreicher Gründung ablief. Du findest das ganze Interview auf Spotify und Apple Podcasts.
Wo und wie kam euch die zündende Idee zur Gründung?
Die zündende Idee kam bei einem Grillen mit Freunden, als wir uns über die Digitalisierung im Mittelstand unterhalten haben. Viele mittelständische Unternehmen in Deutschland kämpfen damit, ihre Prozesse zu digitalisieren bzw. zu automatisieren. Sie sind erfolgreich im klassischen Kerngeschäft, wie zum Beispiel der Maschinenbauindustrie, aber die Digitalisierung wird oft als etwas Nebensächliches betrachtet. Wir haben erkannt, dass genau hier ein riesiges Potenzial liegt. Digitalisierung ist keine Zukunftsmusik mehr, sie muss ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie werden.
Am nächsten Tag habe ich (Matthias) Marcel angerufen und vorgeschlagen, diese Herausforderung gemeinsam als Unternehmen anzugehen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die den Mittelstand bei der digitalen Transformation unterstützen. So ist jovoco entstanden.
Wie hat sich das Gründungsteam zusammengefunden?
Das Gründungsteam besteht aus Marcel und Matthias. Wir kennen uns schon seit unserer Studienzeit am KIT und haben damals in der studentischen Unternehmensberatung Delta zusammengearbeitet. Wir haben bereits in dieser Zeit diverse Projekte gemeinsam durchgeführt und festgestellt, dass wir beide eine ähnliche Vision und Arbeitsweise haben. Unsere Zusammenarbeit hat sich über die Jahre immer wieder fortgesetzt, und irgendwann war es dann nur noch ein logischer Schritt, das Unternehmen zusammen zu gründen.
Was ist eure große Vision?
Unsere Vision ist es, den Mittelstand in die digitale, vernetzte Zukunft zu führen. Wir wollen Unternehmen dabei unterstützen, ihre Geschäftsprozesse durch digitale Tools und Automatisierung zu optimieren. Dabei liegt der Fokus auf unserem Grundprinzip „Simplify IT“, der ausdrückt, dass wir komplexe IT verständlich und direkt umsetzbar machen.
Besonders die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) wird ein immer wichtigerer Bestandteil unserer Arbeit, da sie das Potenzial hat, den Mittelstand noch effizienter zu machen. Unsere große Vision ist es, eine zentrale Anlaufstelle für die Digitalisierung des deutschen Mittelstands zu werden.
Wo seht ihr nennenswerte Hürden beim Gründungsprozess?
Der Gründungsprozess war gerade zu Beginn mit vielen bürokratischen Hürden verbunden. Es ist erstaunlich, wie wenig digital Gründungsprozesse noch immer sind. Als Unternehmen, das auf Digitalisierung setzt, haben wir festgestellt, dass die administrative Seite des Gründens immer noch sehr papierlastig und kompliziert ist. Dies war eine der ersten Hürden, die wir überwinden mussten, um uns voll und ganz auf unsere eigentliche Arbeit konzentrieren zu können.
Wo habt ihr euch Unterstützung geholt?
Da ich bereits bei zwei vorherigen Gründungen mit Institutionen wie der KIT-Gründerschmiede und dem CyberForum zusammengearbeitet habe, konnten wir auf wertvolle Kontakte und Erfahrungen aus diesen Projekten zurückkommen. Besonders der Austausch mit Mentoren und Experten hat uns geholfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch bei der Gründung und Weiterentwicklung der jovoco GmbH greifen wir immer gern auf das Netzwerk der KIT-Gründerschmiede zurück, das uns kontinuierlich mit wertvollen Ressourcen und Kontakten unterstützt. So können wir viele Schritte eigenständig gehen und gleichzeitig von der Expertise und den Möglichkeiten der Gründerschmiede profitieren.
Was waren in eurer Gründungsphase besonders große Herausforderungen?
In der Anfangsphase hatten wir zwei zentrale Herausforderungen: Zum einen die Frage, wie wir die richtigen Mitarbeiter gewinnen können. Zu Beginn hatten wir nicht genügend Ressourcen und mussten die passenden Talente finden, die nicht nur die nötigen Fähigkeiten mitbringen, sondern auch zu unserer Unternehmenskultur passen. Zum anderen war die bürokratische Seite des Unternehmensaufbaus eine große Hürde. Finanzämter und andere Behörden stellen oft eher eine Herausforderung als eine Unterstützung für Gründer dar.
Hat sich seit der formalen Gründung etwas für euch geändert?
Nach der formalen Gründung hat sich für uns nicht viel geändert, abgesehen davon, dass wir nun offiziell als Unternehmen auftreten. Die Herausforderung besteht für uns weiterhin darin, die richtigen Kunden zu gewinnen und das Team weiter auszubauen. Die größere Freiheit, als offizielles Unternehmen zu agieren, hat es uns jedoch ermöglicht, uns noch stärker auf unser Wachstum und die Optimierung der internen Prozesse zu konzentrieren.
Wie habt ihr das Problem der (Anschluss-)Finanzierung gelöst?
Wir haben von Anfang an sehr stark auf den messbaren Mehrwert für unsere Kunden gesetzt. Wir haben unsere Dienstleistungen so gestaltet, dass der Nutzen für die Unternehmen direkt greifbar ist, was uns eine schnelle Bezahlung ermöglichte. Dadurch konnten wir uns ohne externe Finanzierung aus der Startphase herausentwickeln. Statt auf Kapitalgeber zu setzen, haben wir uns darauf konzentriert, durch Leistung zu wachsen.
Haben aktuelle globale Krisen Auswirkungen auf euer Startup?
Die globale wirtschaftliche Lage, auch durch den Ukraine-Krieg und andere geopolitische Spannungen, hat uns sicherlich auch beeinflusst. Wir sind jedoch nicht direkt von globalen Lieferketten oder Materialengpässen betroffen, da unsere Arbeit vor allem digitale Lösungen umfasst. Die wirtschaftliche Unsicherheit hat aber auch Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen, was es uns schwieriger gemacht hat, neue Kunden zu gewinnen. Die Grundsatzfrage bleibt jedoch: Wie können wir Unternehmen dabei helfen, in einem schwierigen Umfeld weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben?
Was sind eure nächsten großen Meilensteine in den kommenden 12 Monaten?
In den nächsten 12 Monaten wollen wir unser Unternehmen weiter skalieren und unsere Dienstleistungen noch gezielter auf die Bedürfnisse von IT-Leitern ausrichten. Unser Ziel ist es, jeden IT-Leiter in Deutschland mit jovoco vertraut zu machen und als erste Anlaufstelle für digitale Lösungen im Mittelstand wahrgenommen zu werden. Wir möchten auch unser Team weiter ausbauen und neue Technologien wie KI stärker in unsere Lösungen integrieren.
Welche Eigenschaft sollte man aus eurer Sicht als Gründer*in mitbringen?
Die wichtigste Eigenschaft, die man als Gründer*in mitbringen sollte, ist Problemlösungsfähigkeit. Als Gründer muss man in der Lage sein, schnell auf Herausforderungen zu reagieren und pragmatische Lösungen zu finden. Es geht nicht nur um technische Fähigkeiten, sondern vor allem darum, auch in schwierigen Momenten die richtige Lösung zu erkennen und umzusetzen. Durchhaltevermögen ist ebenfalls entscheidend – Erfolg kommt nicht über Nacht.
Habt ihr ganz praktische Tipps für andere junge Unternehmensgründer:innen?
Unser Tipp: Arbeitet eng mit euren Kunden zusammen und fragt immer direkt, wo der Mehrwert für sie liegt. Es geht nicht nur darum, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu verkaufen, sondern zu verstehen, welche betriebswirtschaftlichen Probleme der Kunde hat und wie ihr ihm konkret helfen könnt. Wenn ihr den echten Mehrwert für den Kunden liefert, wird der Erfolg folgen.
Was würdet ihr aus heutiger Sicht vielleicht anders machen?
Wenn wir auf die Anfangsphase zurückblicken, würden wir unsere Grundprinzipien – wie den Fokus auf Mehrwert und Simplicity – noch stringenter und früher durchsetzen. Diese Prinzipien sind der Kern unseres Unternehmens und hätten uns von Beginn an noch mehr Klarheit und Richtung gegeben.