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Gründung des Monats: Amino Horse 

VERÖFFENTLICHT AM
18.11.2025
Autor
Emma Schmitt
Kategorie
Gründung des Monats
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Amino Horse steht für wissenschaftlich fundierte, reine Aminosäuren-Produkte, von Pferdemenschen für Pferdemenschen. Ihr Fokus liegt auf bioaktiven, reinen L-Aminosäuren ohne Zucker, Füllstoffe oder unnötige Zusätze. Ziel ist es, dein Pferd optimal in Muskelaufbau, Regeneration und Gesundheit zu unterstützen, mit Produkten, die klar deklariert, hochwertig und durchdacht sind und aus echter Pferdeliebe entstanden sind.

 

Im Gespräch mit Moderatorin Daniela erzählt Gründer Ralf Stüber, wie er auf die Idee gekommen ist und wie der Weg von Idee bis zu erfolgreicher Gründung ablief. Hier findest du das ganze Interview auf Spotify und Apple Podcasts.

Wo und wie kam euch die zündende Idee zur Gründung?

 

Der Auslöser war die Knabstrupper-Stute Selma. Nach der Geburt ihres Fohlens Belto baute sie stark Muskulatur ab. Gleichzeitig leidet sie an PSSM1, einer Muskelerkrankung, bei der viele Pferde unter Bewegungsunlust, Muskelproblemen und Verspannungen leiden. Auf der Suche nach einer Lösung habe ich, Ralf, Chemiker und Gründer von Amino Horse, viele Produkte ausprobiert und mich tief in die Fachliteratur zur Protein- und Aminosäurenversorgung eingearbeitet. Dabei fiel mir auf, dass viele Produkte unnötige Zusätze und hohe Preise haben. Also habe ich angefangen, eigene Mischungen aus reinen Aminosäuren zu entwickeln. Aus diesem persönlichen Problem mit Selma und meinem wissenschaftlichen Hintergrund ist schließlich Amino Horse entstanden.

 

Wie hat sich das Gründungsteam zusammengefunden?

 

Gestartet ist Amino Horse als klassisches Solopreneur-Projekt: Ich habe Idee, Entwicklung und Aufbau der Marke zunächst alleine gestemmt. Mit der Zeit wurde klar, dass aus der Vision ein echtes Unternehmen gewachsen ist und dass es dafür mehr Menschen braucht, die ihre Stärken einbringen. So haben sich nach und nach unsere heutigen Teammitglieder angeschlossen: Gemeinsam mit Ann-Kathrin, Philipp, Anke und Tanja ist aus dem Ein-Mann-Projekt ein eingespieltes Team geworden, in dem jede*r einen wertvollen Beitrag leistet. Zusammen rocken wir heute das Aminosäuren-Business für Pferde, mit viel Fachwissen, Herzblut und Pferdestärke.

 

Was ist eure große Vision?

 

Unsere große Mission bei Amino Horse ist es, die Supplement-Marke im Pferdemarkt zu werden. Wir möchten, dass jede*r, der sein Pferd gezielt und hochwertig mit Aminosäuren versorgen möchte, zuerst an Amino Horse denkt. Wir wollen, dass möglichst viele Pferde, vom Sportpferd über das Seniorpony bis zum Freizeitpartner, bestmöglich mit den passenden Aminosäuren versorgt werden. Mit klar deklarierten, ehrlichen Produkten, die wirklich etwas verändern: mehr Rittigkeit, bessere Regeneration, sichtbarer Muskelaufbau und langfristig fitte Pferde.

Wo seht ihr nennenswerte Hürden beim Gründungsprozess?

 

Ehrlich gesagt: Wirklich, „einfach“ ist der Gründungsprozess an keiner Stelle. Aber wir sehen das nicht als Problem, sondern als Lernreise. Aus jedem Schritt, egal ob er perfekt läuft oder nicht, ziehen wir unsere Lehren. Beim nächsten Mal klappt es dann meist schon besser.

Und zum Glück muss man diesen Weg nicht allein gehen: Es gibt unglaublich viele Netzwerke, Partner, Veranstaltungen und Anlaufstellen, von IHK über die KIT-Gründerschmiede bis hin zu verschiedenen Wirtschaftsnetzwerken. Wenn man bereit ist, offen auf Menschen zuzugehen und seine Fragen klar zu formulieren, stellt man oft fest: Man ist mit seinen Herausforderungen nicht allein, und die Lösung ist meist schon in greifbarer Nähe. Deshalb sprechen wir weniger von „Hürden“, sondern lieber von Herausforderungen, an denen man als Gründer*in und als Team wächst.

 

Wo habt ihr euch Unterstützung geholt?

 

Zum einen konnte ich auf das Wissen aus einer meiner ersten Gründungen zurückgreifen. Zum anderen haben wir ganz bewusst auf unser Netzwerk gesetzt. Außerdem nutzen wir Programme im Land Rheinland-Pfalz, wie zum Beispiel das „Start in Rheinland-Pfalz“-Programm, sowie Angebote und Veranstaltungen verschiedener Start-up-Messen in Rheinland-Pfalz, wo wir als dort ansässiges Unternehmen vernetzt sind. Diese Kombination aus eigener Erfahrung, strukturierten Förderprogrammen und einem starken Netzwerk hat uns auf dem Weg mit Amino Horse enorm geholfen.

 

Was waren in eurer Gründungsphase besonders große Herausforderungen?

 

Eine der größten Herausforderungen war ganz klar die Zulassung als Betrieb, der Futterergänzungsmittel in den Umlauf bringt. Das ist mit umfangreicher Bürokratie, Registrierungen und strengen Anforderungen verbunden. Zum Glück konnte ich hier auf meinen Hintergrund als studierter und gelernter Chemiker zurückgreifen und das nötige Fach- und Sachwissen nicht nur mitbringen, sondern auch nachweisen. Das ist die Grundlage dafür, dass wir heute überhaupt in diesem Markt aktiv sein dürfen.

 

Die zweite große Herausforderung zeigte sich im Wachstum: Sobald die ersten Angestellten dazukommen, tauchen neue Themen auf, von Lohnbuchhaltung über Verträge bis hin zu administrativen Prozessen, die sauber aufgesetzt werden müssen. Das sind Schritte, die man einfach gehen muss und bei denen man extrem viel aus Fehlern lernt.

Hat sich seit der formalen Gründung etwas für euch geändert?

 

Auf jeden Fall: Eine Gründung ist immer auch ein großer Teil der eigenen Lebensgeschichte. Seit der Gründung von Amino Horse hat sich vieles verändert, beruflich wie privat. Ein Start-up ist naturgemäß sehr volatil: Es bewegt sich viel, es entstehen neue Chancen, neue Baustellen, und all das bewegt auch uns als Menschen dahinter. Ich habe in dieser Zeit viele neue Rollen angenommen: vom Selbstständigen hin zum Unternehmer, vom Solopreneur hin zum Team, von einer ganz kleinen Company hin zu etwas Größerem. Wir erschließen neue Felder, lernen ständig neue Menschen kennen und entwickeln uns persönlich wie fachlich weiter. Veränderung ist für uns inzwischen so etwas wie eine Konstante geworden, und genau das braucht ein Unternehmen, das lebendig bleiben und wachsen möchte, glaube ich.

 

Wie habt ihr das Problem der (Anschluss-)Finanzierung gelöst?

 

Wir finanzieren Amino Horse vollständig aus dem eigenen Cashflow. Das heißt: Wir entwickeln unsere Produkte nah am Kunden, setzen sie direkt im Markt ab und reinvestieren die erzielten Umsätze konsequent ins Wachstum. So sind wir aktuell nicht auf Finanzierungsrunden oder externe Investoren angewiesen. Perspektivisch kann frisches Kapital natürlich eine Option sein, um noch schneller zu skalieren. Aber im Moment steht für uns im Vordergrund, unser Amino-Horse-Baby auf feste Füße zu stellen.

 

Haben aktuelle globale Krisen Auswirkungen auf euer Startup?

 

Ja, globale Krisen gehen auch an uns nicht spurlos vorbei. Wir merken vor allem Veränderungen in der Lieferkette: Lieferzeiten sind länger und teilweise unzuverlässiger geworden, gerade bei Waren, die auf dem globalen Markt gehandelt werden.

Hinzu kommen indirekte Effekte über die Energiepreise, zum Beispiel bei Kartonagen, deren Kosten sich in den letzten Jahren teilweise vervielfacht haben. Das zwingt uns dazu, Einkauf, Planung und Lagerhaltung noch vorausschauender zu gestalten, damit wir unsere Produkte weiterhin stabil und in gewohnt hoher Qualität anbieten können.

 

Was sind eure nächsten großen Meilensteine in den kommenden 12 Monaten?

 

Zum einen sind wir intensiv in der Produktentwicklung und werden weitere neue, innovative Produkte auf den Markt bringen, die noch gezielter auf unterschiedliche Bedürfnisse von Pferden eingehen, vom Sportcrack bis zum Senior im Offenstall. Zum anderen wollen wir international stärker durchstarten und neue Märkte außerhalb Deutschlands erschließen. Parallel dazu bleibt ein Ziel natürlich konstant: gesundes, nachhaltiges Wachstum, damit noch mehr Pferde von einer optimalen Aminosäurenversorgung profitieren können.

 

Welche Eigenschaft sollte man aus eurer Sicht als Gründer*in mitbringen?

 

Aus unserer Sicht ist Neugierde eine der wichtigsten Eigenschaften. Wer gründet, sollte Spaß daran haben, immer wieder Neues zu lernen, sich auf wechselnde Situationen einzulassen und Veränderung nicht als Störung, sondern als Normalzustand zu sehen, denn in einem Start-up ist eigentlich immer Bewegung drin.

 

Genauso entscheidend ist Leidenschaft für das eigene Thema. Ich bin mit Pferden groß geworden, ein großer Teil meines Lebens spielt sich im Stall ab, deshalb ist eine Gründung im Pferdebereich für mich nicht nur Business, sondern auch Ausdruck meines Hobbys. Ich bin bei Amino Horse sozusagen selbst der erste Kunde. Das hilft enorm, die Bedürfnisse der Zielgruppe zu verstehen und die richtige Ansprache zu finden. Deshalb empfehlen wir: Gründe in einem Bereich, der dich wirklich fasziniert und für den du brennst.

 

Daneben braucht es Offenheit und Mut: Dinge einfach mal auszuprobieren, neue Wege zu gehen und auch mit Unsicherheit leben zu können. Und gerade im Team ist es wichtig zu verstehen, welche Stärken, Werte und Motivationen man selbst mitbringt, und welche Eigenschaften andere ergänzen können. Dort, wo unterschiedliche Blickwinkel zusammenkommen, entsteht Innovation. Sich darüber bewusst zu sein und Teams bewusst divers aufzustellen, ist aus unserer Sicht ein echter Gründerinnenskill.

 

Habt ihr ganz praktische Tipps für andere junge Unternehmensgründer:innen?

 

Einer unserer wichtigsten Tipps: Sprecht über eure Gründung, bei jeder Gelegenheit. Erzählt von eurer Idee, eurem Produkt, euren Herausforderungen. Holt euch Feedback ab. Oft entstehen die spannendsten Kontakte, Kooperationen oder Leads aus Ecken, mit denen man überhaupt nicht gerechnet hätte.

Genauso wichtig: Bleibt offen. Offen für andere Meinungen, offen für Kritik, offen dafür, eure eigene Idee weiterzuentwickeln. Versucht, nicht vorschnell zu urteilen oder zu sehr in euren eigenen Denkmustern festzuhängen.

 

Und dann: Geht es Schritt für Schritt an. Es gibt dieses Bild: Wie esst man einen Elefanten? Stück für Stück. Genauso ist es beim Gründen. Niemand muss ein Unternehmen an einem Tag aufbauen. Aber wenn ihr euch vornehmt, jeden Tag nur ein halbes Prozent besser zu werden, euch oder euer Produkt minimal zu optimieren, dann summiert sich das über ein Jahr gewaltig.
Dieses Mindset, kleine, kontinuierliche Verbesserungen statt dem perfekten großen Wurf, möchten wir jungen Gründerinnen und Gründern mitgeben. So bleibt ihr handlungsfähig, motiviert und auf einem richtig guten Weg.

 

Was würdet ihr aus heutiger Sicht vielleicht anders machen?

 

Im Rückblick ist man natürlich immer schlauer, aber viele „Fehler“ waren wahrscheinlich nötig, um genau die Learnings mitzunehmen, die uns heute ausmachen. Wenn wir trotzdem etwas hervorheben würden, dann dieses: Wir würden früher Aufgaben abgeben und uns noch konsequenter auf unsere Kernaufgaben im Startup fokussieren. Wir haben sehr lange extrem viel in-house gemacht. Heute schauen wir viel bewusster darauf, welche Bereiche wir outsourcen oder an Teammitglieder und Angestellte übergeben können.

Diesen Prozess der Übergabe und Arbeitsteilung würden wir beim nächsten Mal von Anfang an mitdenken: Strukturen so aufsetzen, dass man Dinge leichter übergeben, transformieren oder in andere Systeme überführen kann. Kurz gesagt: früher loslassen, um schneller wachsen zu können.

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