Gründung des Monats: nodeline
21.08.2026
Aline Kinzie
Gründung des Monats
Daten gibt es in Unternehmen genug. Doch sie sinnvoll zu nutzen, ist oft alles andere als einfach. Informationen aus Maschinen, Sensoren und unterschiedlichen Softwarelösungen liegen häufig in getrennten Systemen und Formaten. Genau hier setzt nodeline an. Das Startup entwickelt KI-gestützte Software, die Unternehmen dabei unterstützt, fachliche Anforderungen in technische Datenprozesse zu übersetzen. Ziel ist es, die Komplexität der Digitalisierung zu reduzieren und Unternehmen mehr Kontrolle über ihre eigenen Daten zu geben.
Hinter nodeline steht dabei die größere Vision, dass Unternehmen ihre Daten künftig selbstbestimmter für KI, digitale Anwendungen und neue Geschäftsmodelle nutzen können. Gerade für den Mittelstand soll der Zugang zu diesen Möglichkeiten nicht davon abhängen, ob die nötigen technischen Spezialist:innen im eigenen Haus sitzen. Auf diesem Weg wird das Startup auch durch die Förderung Startup Secure KASTEL unterstützt.
Im Gespräch mit Moderatorin Daniela erzählt Gründer Boris Schnebel, warum er und Dr.-Ing. Florian Patzer sich nach mehreren Jahren in der Forschung für den Schritt ins Startup entschieden haben und welche Rolle ihre Erfahrungen bei Fraunhofer dabei spielen. Außerdem geht es darum, wie sich Familie und Gründung miteinander vereinbaren lassen und ob der aktuelle KI-Boom für ein datengetriebenes Startup eher Chance oder Herausforderung ist. Du findest das ganze Interview auf Spotify und Apple Podcasts.
Wofür steht euer Unternehmen?
nodeline steht dafür, Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten (zurück) zu geben und gleichzeitig die technische Komplexität der Digitalisierung zu reduzieren. Viele Unternehmen verfügen heute über große Mengen wertvoller Daten, beispielsweise aus Maschinen, Sensoren, Produktionssystemen oder unterschiedlichen Softwareanwendungen. Diese Daten liegen aber häufig in getrennten Systemen, unterschiedlichen Formaten und geschützten Unternehmensbereichen. Dadurch können sie nur mit großem Aufwand für KI, digitale Zwillinge, Analysen oder den Austausch mit Partnern genutzt werden.
Wir entwickeln KI-gestützte Software, die fachliche Anforderungen in technische Datenprozesse übersetzt. Ein Anwender soll beschreiben können, welche Daten er benötigt und was damit geschehen soll. Unsere Plattform unterstützt dabei, daraus eine nachvollziehbare und sichere technische Lösung zu erzeugen. Langfristig wollen wir insbesondere mittelständische Unternehmen dazu befähigen, ihre Daten selbstbestimmt für KI, Digitalisierung und neue datenbasierte Geschäftsmodelle zu nutzen.
Wo und wie kam euch die zündende Idee zur Gründung?
Die Idee entstand aus unserer langjährigen gemeinsamen Arbeit am Fraunhofer IOSB. Florian und ich haben dort unter anderem an Smart Factory Web, Industrie 4.0, Catena-X und verschiedenen Datenraumprojekten gearbeitet. In den Gesprächen mit Industrieunternehmen begegnete uns immer wieder dasselbe Muster: Die Unternehmen verfügten über wertvolle Daten, konnten diese aber nicht ohne Weiteres nutzen, weil sie in unterschiedlichen Systemen, Formaten und Sicherheitsbereichen lagen. Jede neue Verbindung erforderte deshalb häufig ein individuelles, teures Integrationsprojekt und spezialisierte IT-Expertise.
Für uns war klar: Das ist kein Sonderfall, sondern ein wiederkehrendes Grundproblem. Daten und Systemintegration muss sich so weit vereinfachen und automatisieren lassen, dass nicht für jede neue Anforderung erneut ein umfangreiches IT-Projekt notwendig wird. Mit dem Durchbruch generativer KI entstand dafür erstmals ein realistischer technologischer Ansatz. Fachanwender können ihre Anforderungen in natürlicher Sprache beschreiben, während eine KI sie bei der Übersetzung in nachvollziehbare technische Konfigurationen unterstützt.
Wie hat sich das Gründungsteam zusammengefunden?
Wir haben uns am Fraunhofer IOSB kennengelernt und über mehrere Jahre gemeinsam in innovativen Forschungs- und Entwicklungsprojekten gearbeitet. Wir kannten also nicht nur gegenseitig unsere fachlichen Fähigkeiten, sondern wussten auch, wie wir unter Druck zusammenarbeiten und Entscheidungen treffen. Die Gründung war deshalb kein Kennenlernen mit anschließender Geschäftsidee, sondern der nächste Schritt aus einer bereits langjährig erprobten Zusammenarbeit.
Was ist eure große Vision?
Unsere Vision ist eine Datenökonomie, in der nicht die Größe eines Unternehmens darüber entscheidet, ob es moderne KI, Datenräume und digitale Geschäftsmodelle nutzen kann. Wir wollen die technische Komplexität so weit reduzieren, dass Fachanwender ohne ITExpertise Integrationsaufgaben lösen können. Wie Claude Code dafür sorgt, dass man ohne Programmierexpertise Software baut, soll nodeline dafür sorgen, dass man ohne IT-Expertise Daten und Systeme integrieren kann.
Wo seht ihr nennenswerte Hürden beim Gründungsprozess?
Aus meiner Sicht besteht eine zentrale Herausforderung für viele Startups darin, eine große Vision in einen realistisch umsetzbaren ersten Schritt zu übersetzen. Am Anfang gibt es oft viele Ideen und ein umfassendes Zielbild. Die verfügbaren Ressourcen wie Zeit, Geld und Personal sind jedoch begrenzt. Deshalb muss sehr früh entschieden werden, welcher Teil der Vision den größten Kundennutzen bietet, technisch umsetzbar ist und möglichst schnell am Markt getestet werden kann.
Die Kunst besteht darin, die Vision nicht aufzugeben, sondern sie konsequent zu priorisieren und in Etappen umzusetzen. Wer zu lange versucht, sofort die vollständige Lösung zu bauen, läuft Gefahr, seine Ressourcen aufzubrauchen, bevor ein marktfähiges Produkt und erste Umsätze entstehen. Für uns bedeutet das, zunächst mit flowAI das KI-gestützte Mapping von Datenschemata zu lösen. Damit konzentrieren wir uns auf ein klar abgegrenztes Problem, können früh mit Kunden arbeiten und schaffen Schritt für Schritt die wirtschaftliche Grundlage für unsere größere Plattformvision.
Wo habt ihr euch Unterstützung geholt?
Wir profitieren stark vom Karlsruher Innovations- und Forschungsumfeld. Dazu gehören Kontakte aus dem KIT- und Fraunhofer-IOSB-Umfeld sowie Unterstützung aus der Startup-Community. Die KIT-Gründerschmiede hat uns insbesondere bei der Vorbereitung unseres Förderantrags für StartupSecure sehr unterstützt. Darüber hinaus bietet sie mit Formaten wie dem Founder Legal Bootcamp oder dem regelmäßigen Gründergrillen hilfreiche Möglichkeiten, Wissen aufzubauen und sich mit anderen Gründerinnen und Gründern auszutauschen.
Auch die Angebote des CyberForum nutzen wir regelmäßig. Besonders wertvoll ist für uns die Unterstützung durch den CyberLab Startup Accelerator. Eine große Hilfe ist zudem das begleitende Mentorenprogramm, in dem uns erfahrene Mentoren mit praktischen Ratschlägen, neuen Perspektiven und ehrlichem Feedback unterstützen.
Was waren in eurer Gründungsphase besonders große Herausforderungen?
Herausforderung 1: Den richtigen Einstieg in eine große Vision finden
Unsere Vision ist sehr umfassend. Als junges Unternehmen können wir aber nicht alles gleichzeitig entwickeln. Deshalb mussten wir ein konkretes erstes Teilproblem auswählen. Mit der ersten Ausprägung von flowAI beginnen wir bei der zeitaufwendigen Übersetzung zwischen unterschiedlichen Datenstrukturen. Dieses Problem tritt in sehr vielen Integrationsprojekten auf und kann bereits mit unserem heutigen Produkt adressiert werden.
Herausforderung 2: Forschung, Produkt und Markt zusammenbringen
Wir kommen aus einem forschungsnahen Umfeld und kennen viele technologische Möglichkeiten. Der Markt bewertet aber nicht, wie anspruchsvoll eine Architektur ist, sondern ob sie ein dringendes Problem zuverlässig löst. Deshalb müssen wir parallel entwickeln, mit Pilotpartnern testen, zuhören und unsere Annahmen immer wieder überprüfen.
Was hat sich seit der formalen Gründung verändert?
Seit der Gründung liegt unser Fokus nicht mehr allein auf der technischen Entwicklung. Da unser Produkt erklärungsbedürftig ist, müssen wir potenziellen Kunden verständlich vermitteln, welches konkrete Problem wir lösen und welchen Nutzen unsere Lösung für sie bietet. Es reicht nicht mehr aus, zu zeigen, dass eine Technologie grundsätzlich funktioniert. Wir müssen entscheiden, welches Produkt wir zuerst entwickeln, für welche Kunden es relevant ist, wie es betrieben und unterstützt wird und wie daraus ein dauerhaft tragfähiges Unternehmen entsteht.
Obwohl wir beide viel Erfahrung in IT, Forschung, industrieller Digitalisierung und selbstständiger Projektarbeit mitbringen, ist der Aufbau eines produktorientierten Unternehmens noch einmal eine völlig neue Aufgabe. Neben der Technologie beschäftigen wir uns heute viel intensiver mit Marktpositionierung, Vertrieb, Finanzierung, Organisation und Teamaufbau.
Wie habt ihr das Problem der Finanzierung gelöst?
Die bisherige Entwicklung haben wir sehr schlank und mit einem hohen Anteil eigener Arbeit finanziert. Für den nächsten großen Entwicklungsschritt haben wir einen Förderantrag im Programm StartupSecure eingereicht. Aktuell warten wir noch auf den Förderbescheid. Im Fall einer Bewilligung würde uns die Förderung ermöglichen, ein spezialisiertes Team aufzubauen und die Produktentwicklung deutlich zu beschleunigen. Parallel arbeiten wir an Pilotpartnerschaften und ersten marktnahen Anwendungen von flowAI. Unser Ziel ist es, früh eigene Umsätze zu erzielen und schrittweise ein tragfähiges Geschäftsmodell aus Softwarelizenzen und begleitenden Dienstleistungen aufzubauen.
Was sind eure nächsten großen Meilensteine in den kommenden 12 Monaten?
In den kommenden zwölf Monaten wollen wir flowAI weiter stabilisieren, mit Pilotpartnern unter realen Bedingungen testen und die erste Ausbaustufe bereits jetzt an Pilotkunden vermarkten. Parallel dazu wollen wir ein stabiles und gut funktionierendes Team aufbauen, das die Produktentwicklung und den Markteintritt gemeinsam vorantreibt. Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist die Anschlussfinanzierung. Innerhalb der nächsten sechs Monate möchten wir die finanzielle Grundlage für die Zeit nach dem Förderprojekt sichern. Außerdem wollen wir unser Netzwerk gezielt ausbauen, um nodeline in der Region und darüber hinaus bekannter zu machen und neue Kunden, Partner und Unterstützer zu gewinnen.
Welche Eigenschaft sollte man aus eurer Sicht als Gründer:in mitbringen?
Eine wichtige Eigenschaft ist für mich die Fähigkeit, mit ungeplanten Veränderungen umzugehen. Fast kein beruflicher oder unternehmerischer Weg verläuft genau so, wie man ihn am Anfang plant. Entscheidend ist, aus veränderten Umständen neue Möglichkeiten zu entwickeln, ohne das übergeordnete Ziel aus den Augen zu verlieren.
Habt ihr ganz praktische Tipps für andere junge Unternehmensgründer:innen?
Sprecht früh mit den Menschen, die das Problem tatsächlich im Alltag erleben. Gerade als technische Gründer besteht die Gefahr, eine elegante Lösung für ein Problem zu entwickeln, das der Kunde nicht hat oder für das er nicht bereit ist zu bezahlen.
Was würdet ihr aus heutiger Sicht vielleicht anders machen?
Wir würden vermutlich früher zwischen langfristiger Vision und erstem verkaufbarem Produkt unterscheiden. Eine große Plattformvision ist wichtig. Für den Markt braucht man aber zunächst einen klaren Einstieg, dessen Nutzen in wenigen Sätzen verständlich ist und mit realen Kunden überprüft werden kann.